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Kann ein Mensch sich endgültig gegen Gott und für die Hölle entscheiden? Mit David Bentley Hart

matt studer
vor 10 Minuten
20 Min. Lesezeit

That God’s grace is utterly irrestible over the long run now seems to me the best interpretation. . . . So even though we are indeed free to resist God’s grace for a season, perhaps even for a substantial period of time, that very resistance will at some point produce an irresistible means of grace; hence, no one, I argue, is free to resist that grace forever.

(Thomas Talbott, Inescapable Love of God, aus dem Vorwort)


Gott zwingt niemanden in den Himmel. Aber es gibt keinen Menschen, der nicht in den Himmel will.

(Martin Thoms, Es ist vollbracht! Oder doch nicht?, Seite 197)



Der griechisch-orthodoxe Theologe David Bentley Hart hat 2019 mit seinem Buch That All Shall Be Saved sein Plädoyer für Allversöhnung vorgetragen. Da das Thema aktuell in unseren evangelikalen Breitengraden omnipräsent ist, habe ich mir die Mühe gemacht, sein Buch zu studieren und als Gesprächspartner für zwei Beiträge zu nehmen. Der erste Beitrag hier dreht sich um die menschliche Seite, wenn man so will. Wer ist der Mensch und wieviel Spielraum hat er, was sein endgültiges Schicksal anbelangt? Misst Gott der menschlichen Freiheit ein so grosses Gewicht bei, dass er es 'zulässt', dass ein Mensch sich aus freien Stücken endgültig gegen ihn entscheiden kann? Die Frage des freien Willens spielt in der Diskussion um Allversöhnung eine wichtige Rolle, wie auch dieses Statement von Martin Thoms zeigt:

[Es ist] immer wieder der freie Wille, des Menschen ... der gegen die Fantasie der Allversöhnung ins Feld geführt wird. Es wird gesagt: Nicht Gott ist es, der Menschen in die Hölle befördert, sondern der Mensch entscheidet sich selbst dafür. (Thoms, Es ist vollbracht! Oder doch nicht?, S. 177)

Um diese Frage wird es in diesem Beitrag gehen. Der zweite Beitrag wird sich stärker der Frage nach dem Gottesbild widmen: Wenn es eine mit Menschen bevölkerte Hölle gibt, was für ein Gottesbild setzen wir dann voraus? Beide Beiträge spielen in einem höheren Register systematisch-theologischer (philosophischer) Überlegungen. Wer nochmals tiefer in die exegetischen Fragestellungen rund um das Thema Hölle und Allversöhnung eintauchen will, den verweise ich auf meine zwei Beiträge Können wir die Hölle endlich abschaffen? und Allversöhnung als Alternative zur Hölle?


Was bedeutet menschliche Freiheit für Hart?

Bentley Hart kritisiert moderne philosophische Vorstellungen der menschlichen Freiheit als autonome Freiheit - die Fähigkeit, sich unabhängig von jeder vorgegebenen Natur, jedem Telos (gemeint ist das Streben nach einem Ziel) und jedem objektiv Guten selbst zu bestimmen. Gemäss einer libertären Auffassung von Freiheit handelt ein Mensch nur dann wirklich frei, wenn seine Entscheidung weder durch äußere noch durch innere Bedingungen determiniert ist. Frei ist er, wenn er sich unter denselben Bedingungen so oder so entscheiden kann. Wünsche, Motive und Umstände können und werden seine Entscheidung zwar mit beeinflussen, dies aber nie zwangsläufig (denn sonst wäre seine Entscheidung nicht mehr frei und selbstbestimmt). Das heisst, selbst wenn jemand eine starke Anziehung oder ein Motiv für eine Sache hat, impliziert Freiheit, dass er oder sie die Freiheit besitzt, sich entgegen aller Erwartungen dagegen entscheiden zu können.


Für Hart dagegen ist Freiheit teleologisch (auf ein Ziel hin) ausgerichtet und von diesem Ziel her mitbestimmt. Der Mensch handelt dann frei, wenn er sich bewusst für (und eben nicht gegen) das erstrebenswerte Ziel entscheidet. Hart formuliert es so:

The will, when freely moved, does nothing except toward an end: conceived, perceived, imagined, hoped for, resolved upon ... Desire and knowledge, in a single impulse, direct an expression of free agency according to some purpose present to the mind, even if only vaguely. Otherwise, there is no act at all. (Seite 176)

Hart beruft sich hier auf die thomistische Tradition (Thomas von Aquin). Für Thomas ist der Mensch auf Gott als sein Ziel hin geschaffen. Die seelige Schau Gottes (visio beatica) ist das eigentliche Telos des Menschen. Und doch kann er dieses Zeil aus eigener Kraft nicht erreichen. Das Ziel liegt ausserhalb oder überhalb seiner natürlichen Fähigkeiten und er ist auf die Gnade Gottes angewiesen. Thomas von Aquin hat das in diesem Satz zusammengefasst: Gratia non tollit naturam, sed perficit eam – 'Die Gnade zerstört die Natur nicht, sondern vollendet sie.' Sie wird der Natur hinzugegeben (superaddatur). Für Thomas strebt der Mensch wesensmässig nach dem Guten und letztlich nach Gott als dem höchsten Gut, auch wenn er dieses letzte Ziel nicht aus eigener Kraft erreicht und Gottes Gnade ihm Beihilfe leisten muss. [1]


Was bedeutet das für die Freiheit des Menschen, wie Hart sie versteht? Der Mensch ist erst dann wirklich frei, wenn er das Ziel, auf das er von seinem Wesen her hingeordnet ist, verfolgt. 'The freedom of an oak seed is its uninterrupted growth into an oak tree. The freedom of a rational spirit is its consummation in union with God.' Eine Eichel, die lieber zu einem Ahornbaum wachsen möchte, ist nicht frei, sondern handelt gegen ihre Natur und schränkt ihre Freiheit dadurch ein, auch wenn sie sich selbstbestimmt für den Ahorn entscheiden würde. Genauso ist ein Mensch, der sich gegen Gott entscheidet nicht frei, weil er sich gegen seine eigentliche Bestimmung entscheidet.


Der Mensch ist nicht zuerst ein völlig neutrales Wesen mit einer offenen Liste möglicher letzter Ziele, das anschliessend auswählt, ob es Gott will oder nicht. Sein tiefster Wunsch richtet sich auf die Vereinigung mit Gott, auch wenn der Wunsch verdunkelt, verdrängt oder fehlgeleitet werden kann. Unsere spezifischen Wünsche und Sehnsüchte richten sich auf konkrete Güter und nicht direkt auf Gott, doch hinter diesem Streben steht der Wunsch nach Gott als dem höchsten Gut. Dies zeigt sich selbst in Entscheidungen, die für uns oder andere vordergründig gar nicht gut, sondern böse sind. Hart meint:

The rational soul cannot really will the evil as truly evil in an absolute sense, even if it knows that what it wills is formally regarded as wicked by normal standards. Such as soul must at the very least, even if it has lost the will to pursue goodness as a moral end, nevertheless seek what it takes to be good for it, however mistaken it may be in this judgment. In short, sin requires some degree of ignorance, and ignorance is by definition a diverting of the mind and will to an end they would not naturally pursue. (Seite 36)

Wir müssen uns der Radikalität dieser Aussage gewahr werden. Selbst Hitler wollte das Böse nicht einfach, weil er es geil fand. Auch er strebte nach dem vermeintlichen Guten (vielleicht nach dem, was er für eine gute Ordnung, als Größe oder für das Wohl seines Volkes hielt), auch wenn seine Vorstellung des Guten zutiefst und radikal verdreht war. Und wenn er nicht so ignorant gewesen wäre, wäre er nicht zum Bösewicht geworden, der er war. Dieser Logik zufolge wäre sogar 'Suizid ... nur eine Flucht vor dem Schmerz und die Suche nach einem Frieden, den die Welt nicht geben kann.' (S. 42) Selbstmord wäre ein Streben nach dem 'Guten' auf eine pervers verdrehte Art.


Erstes Fazit: Für David Bentley Hart ist diese teleologische Ausrichtung des Menschen 'keine Einschränkung der Willensfreiheit,' sondern 'schlicht die Folge davon, eine Natur zu besitzen, die vom transzendenten Guten hervorgebracht wurde und auf dieses hin ausgerichtet ist.' (S. 41) Freiheit bedeutet nicht, möglichst viele Optionen offenhalten zu können, sondern meint die Fähigkeit, das, was wirklich gut ist, aus eigener vernünftiger Einsicht zu wollen und zu verwirklichen. Es ist zwar eine Art Determinismus, 'aber nur auf der transzendentalen Ebene' und 'weil rationales Wollen bestimmt sein muss, um überhaupt etwas zu sein.' (178) Der menschliche Wille ist dabei insofern determiniert, als er notwendigerweise auf ein Gut (das Gute, Gott) ausgerichtet ist. Aber Gott ist für Hart trotzdem kein Manipulator, der 'äusseren' Zwang auf die Entscheidungen des Menschen ausüben würde:

God ... inasmuch as he acts upon the mind and will both as their final cause and also as the deepest source of their movements ... is already intrinsic to the very structure of reason and desire within the soul. He is not merely some external agency who would have to exercise coercion or external compulsion of a creature's intentions to bring them to the end he decrees. (S. 183)

Gott ist die innerste Ursache und das letzte Ziel von Vernunft und Begehren. Wenn Gott den Menschen zu sich führt, muss er nicht dessen Freiheit von aussen überwältigen. Er wirkt dazu vielmehr innerhalb der Struktur des menschlichen Wollens selbst. [2]


Was ist dann Sünde für Hart, wenn nicht eine willentliche Entscheidung gegen Gott und für ein anderes Gut? Sünde ist die Wahl des Guten sub contrario - gegen die eigentliche Ordnung des Guten - aus Mangel an Erkenntnis und aufgrund einer Fehlorientierung des Willens (wie wir schon oben bei Hitler gesehen haben).

True freedom is an orientation of the rational will toward an end that the mind takes in some sense to be the Good, and so supply its desires. This means that the better the rational will is freed from those forces that distort reason and lead the soul toward improper ends - the more it will long for and seek after the true Good itself; and, conversely, the more rationally it seeks the Good, the freer it is. (Seite 36)

Bentley Hart räumt ein, dass wir in diesem Leben willentlich zu unserer Entfremdung zu Gott beitragen. Das liegt daran, dass wir Gott nicht wirklich erkennen. Dieser Mangel an Erkenntnis liegt in unseren begrenzten Erkenntnismöglichkeiten. Darum entscheiden wir uns für vermeintlich gute Güter, die uns jedoch von Gott wegführen. Sünde ist also nichts weiter als Ignoranz, ein Nichtwissen, eine fehlende Erkenntnis. Sünde ist ein Parasit, eine Krankheit, die uns befallen hat und von der wir geheilt werden müssen. Denn wenn wir die volle Erkenntnis hätten, würden wir das höchste Gut (Gott) niemals ablehnen. Fazit?

True freedom is contingent upon true knowledge and true sanity of mind. To the very degree that either of these is deficient, freedom is absent. And with freedom goes culpability. (Seite 177)

Hart plädiert für mildernde Umstände für das gefallene Menschengeschlecht. Wenn wir nicht in der Lage sind, Gott so zu erkennen wie er wirklich ist (was uns 'automatisch' dazu bewegen würde, uns für ihn zu entscheiden, weil er ja das höchste Gut ist, auf das hin wir geschaffen wurden) - wäre es doch unglaublich unfair von Gott, uns Menschen aufgrund unserer fehlenden Erkenntnis auf ewig zu verdammen. Das wäre, wie wenn ich ein Kind lebenslang mit Hausarrest bestrafen würde, nur weil es unwissentlich etwas getan hat, das eigentlich verboten gewesen wäre.



Menschliche Freiheit: Du hast die Qual der Wahl, entweder Himmel oder Hölle

Welche Optionen liegen auf dem Tisch, wenn es um das ewige Schicksal des Menschen im Zusammenhang mit seiner freien (oder unfreien) Entscheidung geht?


Da ist zunächst die libertäre Sicht, die ich anfangs geschildert habe und die Hart kritisiert. Gemäss dieser Sichtweise landen alle Menschen in der Hölle, die ihre Ewigkeit gar nicht harfenspielend auf den Wolken verbringen wollen und zu denen Gott sagt: 'Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!' Diese Position misst der menschlichen Entscheidung ein 'unendliches' Gewicht bei, könnte man sagen. Gott wird nie jemanden in den Himmel zwingen - und wenn ein Mensch sich tatsächlich gegen Gott entscheidet, dann ist Gott konsequent und lässt ihn dabei. Hart sieht hierin eine gewisse Konsistenz:

The only defense of the infernalist position that is logically and morally worthy of being either taken seriously or refuted scrupulously is the argument from free will: that hell exists simply because, in order for a creature to be able to open to love God freely, there must be some real alternative to God open to that creature's power of choice, and that hell therefore is a state the apostate soul has chosen for itself in perfect freedom, and that the permanency of hell is testament only to how absolute that freedom is. (S. 171)

Ich würde ein gutes Spektrum der evangelikalen Bewegung in diesem Feld ansiedeln. Der Mensch muss die reale Möglichkeit haben, sich für oder gegen Gott entscheiden zu können. Echte Beziehung und wahre Liebe setzen libertäre Freiheit voraus. Gott verleiht der menschlichen Entscheidungsfreiheit dadurch eine enorm hohe Würde. Er überfährt sie nicht, trickst sie nicht aus oder manipuliert sie sonstwie (so lautet der Vorwurf an alle nicht-libertären Positionen).


Evangelikale stehen hier unter dem Einfluss des Arminianismus (zurückgehend auf den Theologen Arminius), der die Willensfreiheit sowie die Verantwortlichkeit des Menschen hervorhob. Jeder Mensch muss sich frei für oder gegen Gott entscheiden und dafür die volle Verantwortung übernehmen. Gottes Gnade geht dem Menschen zwar voraus und ermöglicht überhaupt erst eine Antwort auf Gott. Doch zwingt Gott nie dazu. Der Mensch kann das Geschenk der Gnade annehmen oder aber der göttlichen Gnade widerstehen. Olson meint:

Free and rational creatures have the power to resist the influence of God. This power was given to them by God himself. (Olson, Arminian Theology, S. 131)

Misst der (libertäre) Arminianismus der Entscheidungsfreiheit des einzelnen Menschen ein zu grosses Gewicht bei? Man muss nicht so weit gehen wie Thoms, der meint, dass 'die Autonomie des Menschen im Atheismus endet.' Dennoch ist es eine Frage, die sich der Arminianismus gefallen lassen muss: Wie viel 'Macht' kommt der menschlichen Entscheidung zu? Natürlich geht es dabei nicht um einen einzigen Sekundenmoment, eine hastig getroffene Entscheidung auf dem Weg in den Himmel oder die Hölle. Es geht um ein entschieden gelebtes Leben ohne Gott (bewusst oder unbewusst?). Und dennoch quält die Frage: Ist es angebracht, dass ein Mensch, der in seinem Leben nichts von Gott wissen wollte - obwohl Gott seinerseits gewollt hätte - die ewige Konsequenz für seine Entscheidung tragen soll? Ich geb euch diese Frage gerne mit auf den Weg ...


PS: Der entscheidende Nebensatz hier ist 'obwohl Gott seinerseits gewollt hätte'. Denn hier stehen zwei Willen in Konkurrenz zueinander: Gottes Willen, dass alle Menschen gerettet werden und der freie Wille des Menschen, der Gottes Absicht zunichte machen kann, falls er oder sie sich gegen Gott entscheidet.



Menschliche Unfreiheit, der befreite Wille und die Allversöhnung à la Hart

B. Hart wählt einen anderen Anfahrtsweg (siehe oben): Eine wirklich freie Entscheidung kann nur dann stattfinden, wenn der Mensch tatsächlich die freie Wahl hat. Und um eine wirklich freie Wahl zu haben, muss er eine klare Sicht haben, für oder gegen was er sich entscheidet, welche ewige Realität er für sich auswählt. Als ich vor über zwanzig Jahren in China gereist bin, kam es manchmal vor, dass ich nicht wusste, für welches Essen ich mich entschied, weil ich das Menü ja nicht entziffern konnte und auch niemand Englisch sprach. Wie gemein wäre das, wenn Menschen die Ewigkeitskarte nicht lesen könnten und sich dennoch 'entscheiden' müssten! Nein, die Menükarte sollte verstanden werden, bevor man sich entscheidet. Aber wenn der Mensch schliesslich zur Erkenntnis gelangt, wie könnte er sich dann für Feuer, Qual, Dunkelheit oder Zähneklappern entscheiden?

Liberated from all ignorance, emancipated from all the adverse conditions of this life, the rational could freely will only its own union with God, and thereby its own supreme beatitude. We are, as it were, doomed to happiness, so long as our natures follow their healthiest impulses unhindered; we cannot not will the satisfaction of our beings in our true and final end, a transcendent Good lying behind and beyond all the proximate ends we might be moved to pursue.

Martin Thoms singt das gleiche Lied in Deutsch (obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er den gleichen philosophischen Hintergrund wie Hart mitbringt): 'Ist es denkbar, dass sich Menschen für einen Ort gleich einem ewigen Konzentrationslager freiwillig, sehenden Auges entscheiden?' (S. 196, kursiv im Original)


Der Mensch braucht also Erleuchtung, Befreiung oder Therapie. Es ist interessant, dass Martin Thoms auf Luther's Konzept des gebundenen Willen zurückgreift (bei Hart finde ich diese Referenz nicht). Thoms zitiert hier Hermanni (Luthers Lehre vom unfreien Willen):

Der menschliche Wille ist unfrei, insofern die Grundrichtung seines Wollens kein möglicher Gegenstand seiner Wahl ist ... Der menschliche Wille kann nichts anderes wollen, als er [in seiner Gebundenheit] will. (182)

Für Thoms ist diese existenzielle Gebundenheit 'Teil der Geschöpflichkeit des Menschen' (für Luther ist es eine Folge der Sünde - wobei hier der wohl entscheidende Unterschied zwischen Luthern und den modernen Allversöhnern liegt, wie wir noch sehen werden). Thoms meint: 'Es gibt keinen autonomen Menschen.' Die Gebundenheit des Willens ist für Thoms (wie für Hart aber nicht unbedingt für Luther) vor allem eine Gebundenheit des Wissens, in Anlehnung an Jesu Gebet am Kreuz: 'Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.' (Lk 23,34) Thoms folgert daraus:

Es gibt keinen Menschen, der sich wissentlich wirklich bzw. wirklich wissend gegen Gott entscheidet. Menschen mögen die Kirche oder Gottesbilder ablehnen, aber niemals Gott selbst. (185)

Aber Gott kann und wird den gebundenen Willen befreien, mit diesen Konsequenzen: 'Der freie Wille des Menschen ist allein der durch Gott befreite Wille. Darum aber ist der freie Wille immer nur der Gott bejahende Wille. Der wahrhaft freie Wille sagt also immer Ja zu Gott, weil er durch die Bejahung Gottes erst zu sich selbst befreit wurde.' (Thoms, 192)


Von welchem Zeitpunkt reden wir hier? Wann wird der gebundene Wille endlich befreit? Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen Zeit ihres Lebens Gott ablehnen (darüber, was im Sterben passiert, können wir nur spekulieren). Wenn aber jeder Mensch fairerweise irgendwann eine klare Gottesschau haben muss, um sich a posteriori für diesen Gott zu entscheiden, müssen wir postulieren, dass diese Erkenntnis irgendwann nach dem Tod (postmortem) stattfinden muss. So sei es. Gemäss Hart landet nur ein Teil der Menschheit 'direkt' im Himmel. Der andere Teil landet in der Hölle, die als Purgatorium verstanden wird, wo Gott die Menschen so lange mit seiner Wahrheit konfrontiert, bis sie sich frei für ihn entscheiden. Die Hölle ist bei Hart kein endgültiger Ort der Verdammnis, sondern ein vorübergehender Zustand der Läuterung, bis alle Scheuklappen abgefallen sind und der Mensch eine klare Sicht gewinnt. Vielleicht wäre Sanatorium die bessere Beschreibung.


Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber dieser Gedanke an einen unter Umständen sehr zeitaufwändigen Läuterungsprozess schmeckt mir nicht so richtig nach Freiheit. Es wäre, wie wenn ich über das Feuer gehalten würde, um meine Ignoranz herauszuschwitzen, bis ich endlich erkenne, dass derjenige, der mich über das Feuer hält, der gütige Gott ist. Sicher ist das zu polemisch ausgedrückt. Die Hölle oder das Purgatorium ist vielleicht einfach der Ort, an dem ich zur Einsicht kommen darf, dass ich zu kurzsichtig war, wie ein Gefangener in seiner Gefängniszelle, der realisiert, was er in seinem Leben verbockt hat.


Der Punkt ist der: Als Christ, der ich meine Theologie aus der Bibel ableiten will, finde ich dort nirgends auch nur ansatzweise eine Lehre über ein Fegefeuer mit postmortaler Gelegenheit zur Umkehr. Über eine solche Möglichkeit ist in der Theologie zwar vielfach spekuliert worden. Eine klare biblische Grundlage dafür lässt sich jedoch wie gesagt nur schwer ausmachen (wie bestimmte Auslegungen der sogenannten Höllenfahrt Christi). Vielmehr legt die Bibel ihren Akzent auf das Heute: 'Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.' (Hebräer 3,7–8)




Der sündige Mensch, der gebundene Wille und die Gnade Gottes: Kompatibilismus

Für Hart (und für Thoms) ist Gottes Gnade letztlich unwiderstehlich - und zwar für alle Menschen. Wenn der Mensch Gott (kognitiv) erkennt, wie er ist, in seiner Schönheit und Pracht, Güte und Barmherzigkeit, gibt es für ihn keine andere Wahl: Er muss Gott haben!


Aber braucht der Mensch eine absolute Erkenntnis, damit seine Entscheidung etwas wert ist? Reicht die Erkenntnis, die wir heute schon haben, nicht bereits aus? Paulus:

Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen. Darum haben sie keine Entschuldigung. Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. (Römer 1,18-21)

Hart geht davon aus, dass wir Menschen mehr Gotteserkenntnis bräuchten. Paulus sagt dagegen, dass die partielle Erkenntnis, die wir heute schon haben, bereits ausreicht, um uns zu verurteilen. Um noch einmal auf das Beispiel eines Kindes zurückzugreifen. Ist es nicht so: Kinder wissen sehr genau, wenn sie etwas Falsches tun, auch wenn ihnen die vollständige moralische Tragweite ihres Handelns noch gar nicht bewusst ist. Natürlich ist das Beispiel limitiert. Als Vater weiss ich um die begrenzte Sicht meines Kindes und werde also keinen lebenslangen Hausarrest verhängen. Schon klar. Trotzdem stelle ich Harts Prämisse in Frage, dass wir Menschen 'unter der Sonne' lediglich ignorant sind, wogegen ein Blick über die Wolken in den 'Himmel' automatisch ergeben würde, dass wir Gott wollen würden.


Und was ist, wenn ein Mensch Gott zwar (ausreichend) erkennt, aber ihn tatsächlich nicht will? Die jüdischen Pharisäer wären in einer guten Position gewesen, um Gott zu kennen, waren sie doch geübt im Verständnis der Schrift. Und dennoch sagte Jesus zu ihnen: 'Ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.' (Joh 5,40) Gewisse Menschen wollen sich scheinbar nicht eines Besseren belehren lassen, selbst dann wenn Gott seinen Sohn in die Welt sendet, um sie zu retten. Gut, sicherlich bestand das Problem des Transfers vom alten zum neuen Bund. Das haben selbst die nächsten Anhänger Jesu nicht kapiert.

Aber bei einer Predigt von Jesus plus Wunderhandlungen hätte doch eigentlich jede und jeder merken müssen, dass da etwas ganz Spezielles im Gange ist. Und trotzdem wurden nicht alle gleichermassen berührt. Die einen verschlossen sich den Worten Jesu (vgl. Joh 8,37) und viele liebten die Finsternis mehr als das Licht (Joh 3,19).


Genau hier kommt der Aspekt der Sünde, oder besser der sündigen Natur ins Spiel. Wir Menschen haben nicht ein schöpfungsmässiges Defizit (sind wir auf einem Auge blind?), sondern ein Problem mit unserer Rebellion gegen Gott. Gemäss McClymond zeichnet Hart 'ein Bild von geistig deformierten Wesen, die einfach nur ihr Bestes geben.' Ist das so? Sind wir wirklich einfach nur ignorant, bona fide. Dann wären ja Adam und Eva auch schon geistig deformiert gewesen, noch bevor sie in Sünde fielen, denn sie haben sich gegen Gott entschieden (oder doch zumindest gegen sein Gebot). Ja, wir Menschen sind deformiert. Nicht mangels Erkenntnis, sondern moralisch, in unserem ganzen Wesen, dass durch die Sünde korrumpiert wurde - und das seit Adam und dem Sündenfall, wie Paulus im fünften Kapitel des Römerbriefs sauber ausführt (warum Adam im Urzustand sündigte, obwohl er Gott gut kannte und noch ohne Sünde war, ist eine andere Frage). Gewiss gehört Ignoranz dazu: 'Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt.' (Römer 3,11) Doch beruht Ignoranz auf einem noch tieferliegenden Problem: 'In ihrem tiefsten Inneren herrscht eine Unwissenheit, die daher kommt, dass sich ihr Herz ´gegenüber Gott` verschlossen hat. (Epheser 4,18) Menschen in diesem Zustand wollen Gott gar nicht. Im Gegenteil, 'sich Gott in Ehrfurcht zu unterstellen, käme ihnen nie in den Sinn.' (Römer 3,18)


Aus diesem Grund ist die Annahme Hart's, dass Menschen selbst in dem Bösen, das sie wählen, letztlich nach dem Guten (nach Gott) streben würden, weit gefehlt. Hier kann Jonathan Edwards uns weiterhelfen (siehe The True Nature of Virtue und The Freedom of the Will). In The True Nature of Virtue unterscheidet Edwards (ähnlich wie Hart) zwischen Being als dem höchsten Gut, nämlich Gott selbst, und being als einem geschaffenen Gut, das insofern gut ist, als es am göttlichen Sein und dessen Vollkommenheit partizipiert. Ein Beispiel wäre die Liebe: Wenn ein Mensch seinen Nächsten aufrichtig liebt und sich um ihn kümmert, ist diese Liebe ein konkretes Gut. Sie ist jedoch nicht das höchste Gut in sich selbst. Vielmehr ist sie gut, insofern sie an der vollkommenen Liebe Gottes teilhat und diese widerspiegelt. Wo liegt also das Problem? Ganz einfach darin, dass Menschen etwas Gutes tun, ohne dieses Gute in Beziehung zum Ganzen des Seins, being in general, also Gott, zu setzen. Ich weiss, dass Jonathan Edwards kein geeigneter Geselle für den Stammtisch ist (hätte er sich nicht alltäglicher ausdrücken können?!). Dennoch glaube ich, dass er den Finger genau auf den wunden Punkt legt. Menschen können etwas an sich Gutes wollen, ohne dabei Gott zu wollen. Sie wollen das Gute, weil sie darin einen eigenen Nutzen, eine persönliche Erfüllung oder einen Vorteil sehen. McClymond fasst es so zusammen:

One can desire goods and not the Good due to culpable selfishness (not innocent ignorance, as Hart would have it).

Mehr noch, das Verlangen nach guten, zweitrangigen Dingen kann sogar zur Ablehnung des wahren Guten (Gott) führen. Edwards formulierte:

For he that is influenced by private affection, not subordinate to regard to Being in general [gemeint ist Gott], sets up its particular or limited object above Being in general; and this most naturally tends to enmity against the latter, which is by right the great supreme, ruling, and absolutely sovereign object of our regard. (Edwards, Ethical Writings, 555)

Edwards und Hart zäumen das Pferd komplett unterschiedlich auf. Hart sagt, dass das Verlangen nach guten Dingen in jeder Hinsicht ein Verlangen nach Gott ist. Edwards hingegen stellt fest, dass das Verlangen nach guten Dingen in sündhafter Weise sogar absichtlich gegen Gott gerichtet sein kann. Die Verworfenen wollen zwar das Gute, aber sie wollen es für sich selbst und lieber ohne Gott, der ihnen nur lästig erscheint, weil er auch etwas von ihnen will, nämlich totale Hingabe, Dankbarkeit, Demut, Gehorsam. Wer von beiden liegt näher bei der Bibel?


Ein unfertiges Schlusswort, das freiwillig anzunehmen oder zu verwerfen ist

So wie ich die Bibel lese, ist es die Sünde (die sündige Natur), die den Menschen daran hindert, nach Gott zu streben. Ja, ohne den Geist Gottes, der uns mit Christus verbindet, sind wir tot 'aufgrund der Verfehlungen und Sünden' (Epheser 2,1). Wir sind an die Sünde versklavt. Unser Wille ist durch die Sünde gebunden, womit wir wieder bei Luther sind. Menschen in Sünde können Gott gar nicht von sich aus wollen! Sie müssen von Neuem geboren werden, ein neues Herz eingepflanzt bekommen. Und das ist letztlich das Werk Gottes. Wir reden hier von einer kompatibilistischen Sicht des freien Willens, die sich von der libertären Auffassung unterscheidet (Calvin versus Arminius). In ihrer sündigen Natur wollen Menschen nichts von Gott wissen. Ihr sündiges Herz bestimmt, wie sie ihr Leben führen (vgl. Sprüche 4,23). Und tief in ihrem Herzen lieben sie die Finsternis mehr als das Licht. Da reicht auch das gnädige Werben (die vorauslaufende Gnade) nicht. Es braucht einen chirurgischen Eingriff, eine Herztransplantation, einen wiedergeborenen Willen, ein neu eingepflanztes Begehren nach Gott (versus Hart und Thoms, die in Bezug auf den gebundenen Willen lediglich von Ignoranz reden). Für Kompatibilisten ist dies der Moment der Wiedergeburt durch den Geist. ein passiver Moment für den Menschen, denn wer kann sich schon selbst zur Welt bringen? Aus der Wiedergeburt folgt dann der Moment der persönlichen Entscheidungen, der Aneignung des Heils durch den Glauben.


Aber wird der Mensch hier nicht gezwungen, ohne sein Ja auf den Chirurgentisch gelegt und operiert? Je nachdem, wie man es sehen will. Aus einer libertären Perspektive wird der freie Wille des Menschen übergangen. Aus einer kompatibilistischen Sicht nicht, weil die Wiedergeburt allein das Werk Gottes ist (Monergismus), worauf der Mensch dann im Glauben (freiwillig) antwortet. Keiner hat das besser zusammengebracht, als der Heilige Geist durch Johannes (1,12-13):

All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Sie wurden es weder aufgrund ihrer Abstammung noch durch menschliches Wollen, noch durch den Entschluss eines Mannes; sie sind aus Gott geboren worden.

Ich bin einverstanden, dass damit nicht alle Fragen gelöst sind. Der Libertarismus will den Menschen soweit in (autonomer) Freiheit 'behalten', dass er stets die Möglichkeit hat, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Selbst wenn sein Herz von Gott begeistert ist, kann es nie zu hundert Prozent von Gott bewegt sein, weil die Entscheidung sonst gar nicht mehr 'frei' wäre. Also kann ein Mensch gar nie zu hundert Prozent für etwas sein, aus ganzem Herzen, mit voller Überzeugung und kompletten Begehren für Gott leben? Das leuchtet mir nicht ein. Was ist dann mit den Menschen in der neuen Schöpfung, im neuen Jerusalem, die für immer mit Gott leben werden? Haben diese Menschen noch die Möglichkeit, sich gegen Gott zu entscheiden, oder sind sie so verwandelt, dass sie für immer in ihrer Bestimmung bleiben wollen (non posse peccare, wie Augustinus einst gesagt hat)? Für mich macht es (biblisch gesehen) mehr Sinn, dass Gott den Menschen durch die Neugeburt wesensmässig so umgestaltet, dass der neugeborene Mensch ein neues Begehren für Gott hat, das nicht ständig neu verhandelt werden muss (obwohl die neue Natur diesseits der Ewigkeit gegen die alte sündige Natur kämpfen muss, die halt immer wieder mal aufsteht). [3]


Die kompatibilistische Sicht hält also gegen B. Hart fest, dass der gefallene Mensch das Gute (Gott) gar nicht will, nicht begehrt, weil die sündige Natur (man könnte sagen das Telos oder die Zielgerichtetheit der sündigen Natur) gegen Gott, nicht auf ihn gerichtet ist. In dem Sinne ist der Mensch frei, weil er nach dem strebt, was im Einklang mit seiner Natur steht, auch wenn die Bibel es als Versklavung an die Sünde bezeichnet. Doch wir Menschen sündigen ja freien Willens und tragen dafür die Verantwortung. Wie Paulus oben gesagt hat, haben wir keine Entschuldigung vorzubringen. Es ist biblisch paradox: Gott fordert unsere moralische Vollkommenheit (Mt 5,48), und doch sind wir aus eigener Kraft moralisch nicht in der Lage, das zu tun, was ihm wohlgefällig ist (Röm 8,7–8). Sorry!

Bentley Hart dagegen ist optimistischer, was unsere menschliche Natur angeht: Mit ein bisschen gnädiger Einwirkung und Pädagogik Gottes - sei es in diesem Leben oder dann im Purgatorium/Sanatorium - wird der natürliche Mensch irgendwann schon einsehen, dass Gott gut ist und sich für ihn entscheiden. Kompatibilisten verneinen dies. Eine kleine Gnadenspritze reicht eben nicht. Es braucht schon eine Herztransplantation.


Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich muss nochmals zusammenfassen. Wer landet in der Hölle und wer im Himmel? Wir sind diesen drei Möglichkeiten begegnet:

  • Libertarismus: Die Menschen, die in der Hölle landen, haben sich freiwillig (autonom) gegen Gott und damit für ein Leben ohne ihn entschieden. Gott hat zwar um sie geworben, aber es ist ihm nicht gelungen, sie zu 'überzeugen'.

  • Die Bentley Hart'sche Allversöhnung: Alle kommen in den Himmel, weil letztlich und unter all dem sündigen und chaotischen Gestrüpp des menschlichen Wollens ein tiefer, natürlicher Wille nach Gott residiert, der am Ende (und unter Umständen via einen langen Umweg durch das Purgatorium) dazu führt, dass alle Menschen sich für und nicht gegen Gott entscheiden werden.

  • Kompatibilismus: Kein Mensch will Gott von sich aus, es sei denn Gott zieht ihn und transformiert seine sündige Adam-Natur in eine neue Schöpfung. Der neugeborene Mensch will Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Verstand - und fühlt sich frei dabei. Er ist befreit dazu, für Gott zu leben. Warum transformiert Gott dann aber nicht alle Menschen (der Ball liegt hier bei Gott, richtig)? Das ist die offene Frage des Kompatibilismus. [4]






[1] Das Geschaffensein des Menschen zu Gott hin, führt bei Thomas von Aquin jedoch nicht automatisch dahin, dass jeder Mensch Gottes Geschenk annimmt. Das wäre eine Diskussion für sich. Spannend ist, wie sich die thomistische Lehre von Natur und Gnade weiterentwickelt hat. Bei Karl Rahner beispielsweise wird die Beziehung zwischen Natur und Gnade noch enger gedacht. Der Mensch ist für Rahner nicht nur grundsätzlich auf Gott ausgerichtet, sondern trägt in seiner menschlichen Existenz bereits eine Offenheit für das Übernatürliche in sich (das übernatürliche Existential). Damit meint Rahner, dass Gottes Gnade den Menschen immer schon umgibt, dass der Mensch von seiner Existenz her auf die unmittelbare Gemeinschaft mit Gott hingeordnet ist. Zu erwähnen wäre auch Henri De Lubac, der Natur und Gnade auf seine eigene Art ganz eng zusammendachte.


[2] Hart greift hier auf Aristoteles Konzept der Finalursache zurück: Gott lässt sich als die finale Ursache des menschlichen Wollens verstehen. Gott wirkt als letztes Ziel innerhalb der natürlichen Ausrichtung von Vernunft und Begehren.


[3] Zum Spannungsverhältnis von Libertarismus und Kompatibilismus gäbe es viel mehr zu sagen. Ich empfehle als gute Einführung Scott Christensen, What about Free Will? Für ein überzeugendes Argument gegen das libertäre Argument, dass echte Beziehnung eine libertäre Sicht des freien Willen voraussetzt, siehe Thaddeus Williams, God Reforms Hearts.


[4]

So Gott will, werde ich mich dem Thema Erwählung (Prädestination) in einem späteren Beitrag eingehender widmen. Ich meinerseits wäre willig.

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