• matt studer

Reformatorische Spiritualität *3 - Seelenheil im Himmel oder eine bessere Welt?

Aktualisiert: 1. Nov. 2021


In meinen letzten drei Blogbeiträgen war ich darum bemüht, für eine reformatorische Spiritualität zu werben. Dabei war mir klar, dass das, was für mich so tief und reichhaltig ist, für andere vielleicht zu konservativ, zu eng, zu theologisch, zu wenig praktisch, zu wenig irdisch, zu wenig ökumenisch oder zu wenig klimafreundlich und user-relevant sein könnte. Dass reformatorische Spiritualität zu individualistisch, weltverneinend und jenseits-orientiert wirkt. Mal schauen.


Noch eine Bemerkung zum Label 'reformatorisch'. Warum befasse ich mich mit einer Bewegung aus einem Land vor unserer Zeit? Es ist so ein Ding mit Labels. Ich kann ja nicht einfach das Label 'evangelikal' einsetzen? Aber tatsächlich sehe ich einen wesentlichen Zusammenhang zwischen der Reformation und dem, was sich später zur sogenannt evangelikalen Bewegung weiterentwickelte (eine These, die ich hier und jetzt nicht beweisen kann, aber zu einem späterem Zeitpunkt belegen möchte). Gerade die Solas der Reformation haben die evangelikale Bewegung in ihrer Spiritualität stark mitgeprägt (siehe meine Beiträge hier, hier und hier). Es gibt für mich zwei Gründe, warum ich 'reformatorisch' wählte. Einerseits möchte ich zu den Wurzeln der evangelikalen Spiritualität zurückgehen, die für mich (auch) in der Reformationszeit liegen. Heute, wo das Label 'evangelikal' mehr und mehr in Verruf zu geraten scheint, ist es unerlässlich zu verstehen woher man kommt, um seine Identität nicht zu verlieren! Andererseits und gerade weil 'evangelikal' heute gerne missverstanden wird, schien es mir sinnvoller, mit einem anderen Label zu arbeiten (vielleicht einfach auch, weil die Reformation die besseren Theologen hervorbrachte!). Wenn ich aber jetzt in diesem Beitrag geschichtlich näher an unsere Zeit heranrücke, werde ich mich doch des Begriffs 'evangelikal' (als Fortsetzung von 'reformatorisch') bedienen, in der Hoffnung, dass die Verwirrung damit komplett werde. (Das heisst auch, dass ich mir der Unschärfen bewusst bin und momentan mit ihnen lebe - aber auch, dass hier noch ein Berg Arbeit auf mich wartet). Exkurs Ende!


Starten wir mit einer geläufigen Karikatur des evangelikalen Glaubens: 'Jesus kam auf Erden, um wegen meinen Sünden zu sterben und das Gericht Gottes auf sich zu nehmen, damit ich in den Himmel komme.' Darum sei für die Evangelikalen das Kreuz so zentral - darum das persönliche Bekehrungserlebnis so wichtig. Gibt es noch andere Lieder, als die, die das 'Blut des Lammes' besingen? Was geschieht nach der Bekehrung, wenn das Ticket in den Himmel 'gelöst' ist? Hinzu kommt dann noch das gebrandmarkte Attribut 'Bibel-gläubig', was heute so viel heisst wie, dass Evangelikale zu starr und naiv auf ihrer Auslegung der Bibel (oder überhaupt auf der Bibel) beharren. Man kann hier förmlich schon die kritischen Stimmen hinter vorgehaltener Hand munkeln hören. Ist eine solche 'Ich-und-mein-Jesus-Spiritualität' nicht zu einseitig individualistisch? Ist die Vorstellung des Himmels, als ein mit Harfen-spielenden Seelen bevölkerter Raum, angesichts der gewaltigen Herausforderungen, denen sich unser Planet und die Menschheit stellen müssen, nicht völlig fehl am Platz? Wir haben hier unten viel zu tun, hallo!


Karikaturen haben es an sich, dass sie komplexe Realitäten vereinfachen und sie dadurch verzerren. Ich bete darum, dass es mir gelingt, ein akkurateres Bild zu malen, denn ein Selbstporträt zu zeichnen, gelingt auch nicht so easy.


Gerettet in den Himmel und das Leben nach der Bekehrung

Ich würde das reformatorische Verständnis des christlich-individuellen Lebens simpel so zusammenfassen: wir werden gerettet, um in Einheit und Gemeinschaft mit Gott mehr und mehr so zu werden wie Christus, in allen Bereichen unseres Lebens - als Ehemann /frau, Vater/Mutter, Sohn/Tochter, Arbeitgeber*in/Arbeitnehmer*in, Nachbar*in, usw. - so dass wir Gott in allem, was wir sind und tun die Ehre geben. Dabei ist der Startpunkt der christlichen Existenz unsere Rechtfertigung (Christus hat es für uns bereits vollbracht!). Wir wachsen in Einheit und Beziehung mit ihm und durch ihn.


Aber Moment mal, heisst das, dass wir jetzt einfach die Füsse hochlagern können und im wesentlichen so weiterleben sollen wie bisher? Let go and let God? Ist das nicht 'billige Gnade', ein Ausruhen auf Lorbeeren, die uns gar nicht gehören? Ich bin regelmässig erstaunt, wenn ich den Vorwurf höre, dass wir Evangelikalen kein Konzept für ein Leben nach der Bekehrung, für progressives geistliches Wachstum hätten. Dass unser persönliches Bekehrungserlebnis die eigentliche Spitze unseres Glaubenslebens bilde. Und dass wir, weil danach nichts Wesentliches mehr passiert bis Jesus wiederkommt, halt immer wieder an diesen Punkt zurückkehren und unsere Bekehrungserfahrung neu aufkochen müssten. Gewiss, das biblische Wort 'Heiligung', das vor allem bei Paulus für geistliches Wachstum steht, hört man in unseren Kreisen recht wenig (eigentlich viel zu wenig!). Dafür werden eher Begriffe wie Jüngerschaft, Nachfolge oder Glaubenswachstum verwendet. Ich behaupte also nicht, dass wir hier mustermässig unterwegs sind. Doch meine ich sagen zu können, dass der durchschnittliche Evangelikale traditioneller Prägung sich meistens recht fest darum bemüht, sein Christsein auch wirklich ernst zu nehmen und auf alle Bereiche seines Lebens zu übertragen.


In diesem Dilemma hilft eine Rückbesinnung auf unsere geistlichen Wurzeln. Keiner hat dieses Feld besser bearbeitet als der Reformator Calvin (ob man's glauben will oder nicht). Gemäss Calvin gehören Rechtfertigung und Heiligung eng zusammen und dürfen unter keinen Umständen voneinander getrennt oder gegeneinander ausgespielt werden (denn das wäre ja, als würde man Christus in zwei Teile reissen). [1] Beides sind sie nämlich Geschenke, die wir aus unserer Einheit mit Christus von ihm empfangen (Calvin sprach darum von einer 'doppelte Gnade' - Rechtfertigung und Heiligung). Jesus starb am Kreuz, um uns zu rechtfertigen und uns mit Gott zu versöhnen. Und er schickt uns seinen Heiligen Geist, der uns befreit, befähigt, verändert, heiligt und neu kreiert. Billige Gnade ist hier also völlig fehl am Platz. Dann würden wir ja gegen die Intention Jesu und das Wirken seines Geistes vorgehen. Nein! Christus starb für uns, damit wir nicht so bleiben müssen, wie wir sind. Halleluja! Auf der anderen Seite sind nicht wir es, die uns, da wir nun gerettet sind, autonom fit machen, indem wir jetzt die Ärmel hochkrempeln. Diesen Punkt, dass wir im ganzen christlichen Alltagsgeschäft unsere Rechtfertigung immer wieder mal ausblenden, sehe ich als potenzielle Problemzone in der evangelikalen Szene (eigentlich viel eher, als dass wir uns nur um unsere Bekehrung drehen würden!).


Heiligung basiert auf Rechtfertigung. Veränderung geschieht in Beziehung zu Christus. Transformation fliesst aus unser Einheit mit ihm. Wir kommen zu Jesus. Wir schauen auf ihn. Wir bewegen unser Herz vor ihm. Wir wenden uns ihm zu und ab von alten, sündigen Mustern. Wir vertrauen ihm. Wir suchen unser Leben, unsere Erfüllung und Sicherheit in ihm. In zunehmenden Mass, getrieben durch den Heiligen Geist. Und indem wir sein Bild anschauen, werden wir mehr und mehr in sein Bild verwandelt. Das ist Heiligung im reformatorischen (biblischen!) Sinn.


Es gibt es also, das Leben nach der Bekehrung.


Gelebte Nächstenliebe - selbst wenn die Welt ein sinkendes Schiff ist!

Wer in die Geschichte der evangelikalen Bewegung (und weiter zurückgehend der reformatorischen Epoche) zurückblickt, wird feststellen, wie partout sozial engagiert diese Bewegung war. Ein paar Highlights: der hallische Pietismus, die Brüder Wesley und die Anfänge des Methodismus, Wilberforce, die Heilsarmee mit William Booth, oder Carl Spitteler und die Basler Mission. Was den sozial-engagierten Spirit der Reformation betrifft, sollte man sich nur mal den neuen Zwingli-Film anschauen, oder sich über Calvin's Flüchtlingspolitik in Genf informieren. Stimmt, da gab es die fundamentalistische Gegenreaktion auf das sogenannt soziale Evangelium im 20. Jh., das einen auf innerweltlichen Fortschritt (mit mehr oder weniger Gott) machte. Die evangelikale Seite war zu Recht besorgt über die Verwässerung des Evangeliums und man verschanzte sich in Folge dessen manchmal (zu unrecht) hinter den eigenen Mauern. Man muss aber fairerweise anmerken, dass schon bald Kritik innerhalb der evangelikalen Bewegung erfolgte (z. B. Carl Henry). Die Evangelikalen fanden mit Lausanne 1974 dann auch zu ihrer eigenen Position, was soziales Engagement in dieser Welt betrifft.


Warum hat der evangelikale Glaube eine soziale Ader? Als Sprungbrett für Evangelisation? Zur Glaubens-Kolonialisierung vulnerabler Gruppen? Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht. Und die richtige Antwort lautet ganz einfach, weil wir unsere Nächsten, unsere Mitmenschen lieben. Das Evangelium befreit uns von Selbstbezogenheit zu einer Gottfokussiertheit mit Nächstenliebe im Gespann. 'Wir leben in Gott und in unserem Nächsten', wie Martin Luther dies irgendwo so schön gesagt hat. Nächstenliebe lässt uns diese Welt nicht egal sein. Wir sind tief betroffen vom Leid und Schmerz, von der Ungerechtigkeit und Zerstörung, von all dem, was nicht mehr so gut ist, wie es ursprünglich mal war (siehe Genesis 1).


Wieso dann diese leidige Karikatur der Evangelikalen? Ich vermute, dass dies mit zwei komplementären Aspekten zu tun hat, die nicht so populär in die heutige Zeit ausstrahlen. Erstens die Annahme, dass diese Welt ein sinkendes Schiff ist und auf ihren Untergang zusteuert. [2] Und zweitens (der erste Punkt impliziert dies), dass weder wir Christen noch die gesamte Menschheit, sogar mit vereinten Kräften, diese Erde retten und wiederherstellen können. Ich weiss es wohl. Im Zeitalter der Klimabewegung, wo soziale Gerechtigkeit ein Ehrenwort ist und die junge Mannschaft sich optimistisch daran macht, es endlich besser zu machen als Papa und Grossmama, tönt meine Aussage ziemlich verwerflich. Aber seien wir doch mal ehrlich. Warum hat es bis jetzt keine Generation geschafft, Ordnung und Gerechtigkeit wiederherzustellen, von Frieden ganz zu schweigen? Warum scheint sich über die Jahrtausende so wenig zu verbessern, während anderes sogar wieder schlimmer wird (ja, es gibt heute zum Glück das Stimmrecht für die Frau. Dafür gibt es global mehr Sklaven als je zuvor!). Wenn ich sage, dass diese Welt ein sinkendes Schiff ist, meine ich nicht unbedingt, dass es zwangsläufig immer schlimmer wird, oder dass wir unsere Hände nicht durch soziales Engagement schmutzig machen sollten. Nein! Ich will damit sagen, dass das Schiff namens Erde unweigerlich auf das Endgericht Gottes zusteuert. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht! Gott wird diese Erde richten, d. h. alles Böse und Verwerfliche ausmerzen und, im Positiven, alles heilen, wiederherstellen, neu schaffen! Evangelikale (reformatorische) Spiritualität glaubt, dass allein Gott dazu fähig ist. Und gerade darum stehen wir ein für Gerechtigkeit und gegen Armut, für Wiederherstellung und gegen Zerstörung! Weil wir diesen Gott und unsere Mitmenschen lieben und wissen, dass er zuletzt ultimativ eingreifen wird. Gleichzeitig sind wir uns schmerzlich und hoffnungsvoll wartend bewusst, dass all unsere Bemühungen nur vorläufig und temporär sein können. Sie sind prophetische Vorzeichen auf Gott, der es am Ende richten wird. [3]


Was ist mit dem Harfen-spielendenden Völklein auf den Wölklein? Der Himmel kommt, aber anders. Wir warten sehnlichst darauf, dass Himmel und Erde verschmelzen, dass Gottes Gegenwart dieses ganze Universum ausfüllen wird, dass Löwe und Lamm, Schlange und Kind gefahrlos beieinander liegen werden (Jes 65,22; Jes 11,8; Offenbarung 21-22). Der Himmel wird eben vielmehr so aussehen wie die bessere Welt, für die wir heute zeichenhaft einstehen - nur noch viel genialer! Und glaubt mir, es werden auch E-Gitarren mit dreckigem Sound im himmlischen Orchester vertreten sein. [4]


Gemeinschaft - oder warum es als Solochrist eben nicht geht

Ist evangelikale Spiritualität individualistisch? Gemäss der Karikatur von oben macht es fast den Anschein, als sei der ideale Christ jener, der in der Stille seine Bibel liest, im Kämmerlein betet und darauf wartet, dass er endlich in seine himmlische Einzimmerwohnung mit Jesus einziehen darf. Tatsächlich gibt es evangelikale Auswüchse, die stark in diese Richtung pushen. Dass ein reifer Christ sich von der Kirche abkoppeln müsse, damit er besser wachsen könne. Denn die institutionellen und gemeinschaftlichen Formen der Kirche würden ihn letztlich nur daran hindern, geistlich vorwärts zu kommen. [5]


Dieser Vorschlag kann nur als Anomalie eingeordnet werden. Johannes Calvin sprach davon, dass die Kirche die Mutter aller Gläubigen sei, an derer Brust sie sich nährten. [6] Tönt das fast schon zu krass für uns autonom Verwöhnte? Was wir nicht übersehen dürfen ist, dass die Gemeinschaft der Kirche für Calvin (vor allem in ihrer institutionalisierten Form durch den Gottesdienst, durch Wort und Sakrament) eine enorm wichtige Bedeutung im Leben des einzelnen Christen einnahm.


Man könnte sagen, dass christliche Gemeinschaft zum Inventar der evangelikalen Bewegung gehört. In den Sinn kommen u. a. die erwecklichen Hausgemeinschaften der Herrnhuter oder die Class-Meetings von John Wesley, die als Vorläufer moderner Kleingruppen gesehen werden dürfen. Christliche Gemeinschaft in der einen oder anderen Form war für die Evangelikalen immer wichtig. Vielleicht liegt das Problem weniger bei der evangelikalen DNA, sondern vielmehr daran, dass der Individualismus leider auch in unsere Kirchen eingedrungen ist?


Aus emergenten (vor allem aus den USA) oder missionarisch-progressiv-denkenden Kreisen hören wir die Parole 'zurück zu einem gemeinschaftlicheren Christsein'. Gut so! Nur, vielleicht aufgrund einer liberaleren theologischen Grundstimmung in diesen Kreisen, tönt dieser Ruf dann manchmal so, als wäre die Gemeinschaft DIE (Er)Lösung. Wenn wir Christen nur gemeinschaftlicher und in Gemeinschaft sozial aktiver leben würden, dann wären wir zurück beim Ideal der ersten Kirche, die so viel in Gang setze. Ich gewinne dieser Denke eigentlich viel ab - einfach mit einem grossen ABER. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch wir Christen eine Gemeinschaft der Sünder sind, wie Bonhoeffer dies sagte. Gerade wenn wir gemeinschaftlicher unterwegs sind, werden wir merken, wie sehr wir auf die Gnade Gottes angewiesen sind. Es ist nie die Gemeinschaft, die uns erlöst, sondern allein Christus, der uns (auch) zur Gemeinschaft erlöst.


Resümee - warum wir Kreuz und Himmel halt doch so lieben - und mehr!

Evangelikale Spiritualität singt Hymnen über das Kreuz und das Blut des Lammes (und erklärt ihren nicht-kirchlich-sozialisierten Freunden gesellschaftsrelevant warum!). Das Kreuz - dass Jesus unsere Sünden, die uns von Gott trennen, auf sich lud - spricht von Versöhnung und Beziehung. Durch Christus sind wir mit dem Vater versöhnt und haben Gemeinschaft mit ihm. Gemeinschaft mit Gott aufgrund von Gottes Gnade und Liebe, durch den Glauben - das ist und bleibt das Goldnugget unserer Spiritualität.


Evangelikale Spiritualität lebt himmlisch orientiert - the world ist not enough (wobei wir hier gängige Vorstellungen vom Himmel korrigieren müssen). Bei all dem, was wir schon haben, an Sichtbarem und Unsichtbarem, das christliche Leben ist noch nicht am Ziel. Es ist ein Leben unterwegs, eine Pilgerreise, ein Glaubenslauf. [7]


Amen? Noch nicht ganz - und wieder zurück zur Karikatur. Ich vermute, dass wir manchmal so begeistert von den 'Essentials' (Kreuz und Himmel plus die Bibel) waren, dass wir alles darum herum vergassen. Dies blieb unseren christlichen Nachbarn nicht verborgen, worauf dann diese schöne Karikatur gezeichnet wurde. Wenn wir in unsere eigene Geschichte zurückschauen, dürfen wir aber feststellen: die Karikatur widerspricht meistens der Wirklichkeit. Das gut evangelikale Leben ist sehr wohl dieser Welt zugewandt, gemeinschaftlich und grundsätzlich offen für E-Gitarren. Es ist alles andere als langweilig, einseitig und exklusiv jenseitig! Jetzt Amen!



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[1] Calvin Institutionen 3.16.1. "Weshalb werden wir nun im Glauben gerechtfertigt? Weil wir im Glauben die Gerechtigkeit Christi ergreifen, durch die allein wir mit Gott versöhnt werden! Diese aber kann man gar nicht ergreifen, ohne zugleich auch die Heiligung zu erfassen! Denn Christus ist uns gegeben 'zur Gerechtigkeit und zur Weisheit, zur Heiligung und zur Erlösung' (1. Kor. 1,30). Christus rechtfertigt also keinen, den er nicht zugleich heiligt! Diese Wohltaten Christi sind durch ein bleibendes und unlösbares Band miteinander verknüpft."


[2] Dieser beispielhaft polemische Satz stammt vom Erweckungsprediger Moody und hiess in seinem ursprünglichen Kontext wirklich, dass Christen sich nicht ins Weltgeschehen einmischen sollten, da es sowieso nichts bringt.


[3] Als Theologe müsste man hier eigentlich von der sogenannt eschatologischen Spannung zwischen 'schon und noch nicht' referieren. Da Theologen gewohnt sind, Fussnoten zu lesen, nun hier eine Bemerkung dazu. Gottes Königreich ist mit dem Kommen des Messias bereits angebrochen. All die Wunder und Zeichen, die Jesus wirkte, zeugen von seiner Herrschaft. Doch sein Königreich wird sich in seiner Fülle erst dann manifestieren, wenn er wieder zurückkommt. In diesem Punkt sind sich die allermeisten Theologen einig. In den Details dagegen ist man sich nicht einig. Ich würde sagen, dass eine reformatorische Betonung die Spannung zwischen 'schon und noch nicht' schön (aus)hält - und dass sie gegenwärtige Tendenzen in Richtung Überbetonung des 'Schon' etwas rückwärts korrigiert.


[4] Für mehr dazu aus einer anderen Perspektive, siehe meinen Blogbeitrag hier.


[5] Dieser Vorschlag stammt von George Barna (bekannt von der Barna-Group, einem Unternehmen, das gross angelegte Umfragen durchführt und auswertet). Siehe sein Buch 'Revolution'.


[6] Calvin Institutionen 4.1.1.


[7] Nochmals eine Fussnote für Theologen. Kreuz und Himmel beziehen sich auf die theologischen Fächer 'Soteriologie' (die Heilslehre) und 'Eschatologie' (die Lehre der letzten Dinge). Beides sind wichtige Ingredienzien des reformatorischen Glaubens.




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