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  • matt studer

OSTERN: Das Evangelium und die Auferstehung - Gedanken zur gegenwärtigen Zukunft

Aktualisiert: 8. Apr. 2023


Und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt und gingen aus den Gräbern hervor nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

(Mt 27,52-53)


Wir wissen ja, dass Christus, nachdem er von den Toten auferstanden ist, nicht mehr sterben wird; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

(Römer 6,9)



Was ist das Evangelium? Was beinhaltet es alles? Paulus überliefert uns das Evangelium mit diesen Worten: 'Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift.' (1 Kor 15,3-4) Der Tod und die Auferstehung, das Kreuz und das leere Grab gehören untrennbar zusammen. Es tut unserer Theologie gut zu wissen, dass Karfreitag und Ostern zwei eng miteinander verbundene Events sind. Romano Guardini sinnierte einst treffend:

Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.

Während ich mich in einem älteren Beitrag vor allem auf Christi Tod am Kreuz fokussiert habe, will ich mich hier ganz auf diese andere Seite des Evangeliums, die Auferstehung konzentrieren.

Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. (1 Kor 15,18-21)


Auf der einen Seite der Tod

Der Tod ist ein allgemein menschliches Problem, salopp ausgedrückt. So schön das Leben auch sein mag, am Ende wartet er geduldig um die Ecke. Erich Fromm hat diese Tatsache für uns schön zusammengefasst:

Mit der Geburt wird der Mensch … in eine Situation hinein geschleudert, die nicht festgelegt, sondern ungewiss und offen ist. Nur in Bezug auf die Vergangenheit herrscht Gewissheit, und für die Zukunft ist nur der Tod gewiss.

Der Tod ist jedem von uns gewiss. Es tut not, sich das manchmal vor Augen zu halten in einer Gesellschaft, die die Realität des Todes lieber verdrängt. Wie es der Psalmist sagt: 'Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.' (Psalm 90,12) Das tönt fast so ähnlich wie Martin Heidegger, der einmal meinte, dass der Mensch, wenn er sich der Begrenzung seines Lebens durch den Tod bewusst wird, seine Existenz im Hier und Jetzt besser zu gestalten vermag. Da ist was dran. Aber der fade Beigeschmack bleibt. Exit: wir müssen am Ende gehen. Doch die Bibel ist Gottseidank mehr als Existenz-philosophisch in diesem Sinne. Sie schaut über den Tellerrand des Todes hinaus.


Evangelium heisst 'gute Nachricht'. Aber was wäre das für eine gute Nachricht, wenn sie uns ein besseres Leben auf Erden bescherte, ohne das schwarze Loch am Ende unseres Lebens zu adressieren? 'Hofften wir allein in diesem Leben auf Christus, so wären wir die elendesten unter allen Menschen.' (1 Kor 15,18-19) Mir gefällt der satirisch-berechnende Realismus der Bibel: 'Wenn die Toten nicht auferstehen, dann lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!' (Vers 32b) Warum? Was nützt es Paulus, dass er sich abmüht, sich wegen des Evangeliums 'dem Tod aussetzt', wenn er am Ende nichts davon hat? (Verse 30-32) Wenn wir schon wissen, dass es bald vorbei ist, dann lasst uns wenigstens das Maximum aus dem Leben herauspressen. Dann lasst uns unseren Leidenschaften frönen und unser Lebensglück mit allen möglichen Mitteln verwirklichen! Dann ist auch der Gedanke wenig tröstlich, dass wir etwas Gutes für die Nachwelt hinterlassen oder auf eine Art und Weise durch unsere Kinder weiterleben.

Nichtigkeit der Nichtigkeiten, alles ist Nichtigkeit! Welchen Gewinn hat der Mensch von all seinem Mühen, mit dem er sich abmüht unter der Sonne? Eine Generation kommt, und eine Generation geht; aber die Erde besteht in Ewigkeit. (Prediger 1,2-4)

Mehr noch. Wenn der Tod das letzte Wort hätte, dann wäre der ganze christliche Glaube eine reine Farce, nur ein Konstrukt, mit Placebo-Effekt vielleicht, aber am Ende kraftlos.

Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. (1 Kor 15,16)


Auf der anderen Seite die Auferstehung

Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. (1 Kor 15,20-21)

Die gute Nachricht, die wir an Ostern besingen, lautet: Christus ist auferstanden! Und alles wird neu, farbig, hoffnungsvoll, zukunftsträchtig. Wir sind uns häufig viel zu wenig bewusst, welche Tragweite diese Osterbotschaft eigentlich hat. ALLES WIRD NEU! Und all das Neue kommt in einer von Gott festgesetzten Reihenfolge. Die Auferstehung vom und gleichzeitig die Abschaffung des Todes kommt in Raten, sozusagen:

Aber das geschieht nach der von Gott festgelegten Ordnung. Zuerst ist Christus auferstanden. Als nächstes werden, wenn er wiederkommt, die auferstehen, die zu ihm gehören. Und dann wird Christus die Herrschaft Gott, dem Vater, übergeben – dann, wenn er allen gottfeindlichen Mächten, Kräften und Gewalten ein Ende bereitet hat; dann ist das Ziel erreicht. Denn Christus muss so lange herrschen, bis »Gott ihm alle seine Feinde unter die Füße gelegt hat« Der letzte Feind ist der Tod, aber auch ihm wird schließlich ein Ende bereitet. (1 Kor 15,23-26)

Mit der Auferstehung von Jesus Christus vor zweitausend Jahre ist das Zukünftige in der Gegenwart angebrochen. Und wie unglaublich das Ganze ist, wenn man es sich vorstellt. Da ist ein Mensch von den Toten auferstanden, mit einem neuen Körper, der scheinbar durch Wände (oder zumindest verschlossene Türen) hindurchgehen konnte (Joh 20,19). Noch nicht genug des Science-Fiction wies dieser neue Körper Jesu seine Wundmale weiterhin auf (Joh 20,20). Und als die Jünger noch staunend wie Gipsfiguren dastanden fragte Jesus lapidar: 'Habt ihr etwas zu essen hier?' (Lk 24, 41b) Absolut herrlich!


Christus ist also der allererste Mensch, der auferstanden ist, der zweite Adam, durch den die neue Schöpfung Gottes bereits angebrochen ist. Das Neue im Alten, die Zukunft in der Gegenwart. Jesus machte es uns vor - so wie ihm wird es auch mit uns geschehen, die wir zu ihm gehören:

Unser jetziger Körper entspricht dem, den Adam, der erste Mensch, bekam ... Unser künftiger Körper hingegen entspricht dem, den Christus, der letzte Adam, bei seiner Auferstehung bekam. (1 Kor 15,45)

Und an diesem Tag wird dann auch der Tod endgültig abgeschafft werden. Der Sieg über ihn ist bereits jetzt errungen: 'Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?' (1 Kor 15,55) 'Tod, du darfst abdanken. Aber an deine Beerdigung wird niemand kommen!' Auch wenn er in der Jetztzeit noch seine Sense schwingt, seine Macht hat er preisgegeben. Er wird nicht das letzte Wort haben.


An Ostern machen wir uns fest bewusst: Wir Christen glauben nicht an die Märchenrede vom 'und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie vielleicht noch heute.' Vielmehr glauben wir an ...


er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,



Die Realität der Auferstehung auf dieser Seite des Todes

Unsere leibliche Auferstehung ist Zukunftsmusik. Dazu müssen wir zuerst noch sterben. Das Samenkorn muss in die Erde fallen und sterben, damit am Ende der Tage eine neue Pflanze daraus keimen kann. Und doch hat die Auferstehung des zweiten Adams bereits eine aktuelle Auswirkung auf uns, die wir seine Brüdern und Schwestern sind:

Durch die Taufe sind wir mit Christus gestorben und sind daher auch mit ihm begraben worden. Weil nun aber Christus durch die unvergleichlich herrliche Macht des Vaters von den Toten auferstanden ist, ist auch unser Leben neu geworden, und das bedeutet: Wir sollen jetzt ein neues Leben führen. (Römer 6,4-5)

Das neue Leben keimt bereits in uns, selbst wenn unser jetziger Körper abgibt. 'Mögen auch die Kräfte unseres äußeren Menschen aufgerieben werden – unser innerer Mensch wird Tag für Tag erneuert.' (2 Kor 4,16) Wir sind eine neue Schöpfung, das Neue hat schon begonnen. Und gerade darum sollen wir uns dieser neuen Realität angepasst verhalten und unser ganzes Leben - als Christenmenschen und als die Kirche des zweiten Adams - ganz an Jesus, dem neuen Menschen ausrichten. Wir sollen so leben und handeln, wie man in dieser neuen Schöpfung Gottes lebt und handelt. Ich kenne keine andere Story, die dermassen viel Hoffnung in sich trägt - für jetzt und dann!


Zugegeben, heute kann es manchmal noch echt harzig zugehen. Wir müssen ja noch über die Schwelle des Todes. Zumindest körperlich rauschen wir darauf zu. Und bereits im Hier und Jetzt sterben Dinge weg (meine Hirnzellen, manche Pläne, die Grosseltern oder mein Computer). Es geht eben durch das Leiden in die Herrlichkeit (Römer 8,18). Das war auch für Jesus nicht anders. Doch hat er selbst in seinem abgrundtiefen Leiden hinter den Tod geblickt: 'Weil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich.' (Hebräer 12,2) Und so paradox es klingt, es stimmt immer noch: Durch seinen Tod haben wir das (ewige) Leben. Hier rücken Karfreitag und Ostern ganz eng zusammen.


Diese Realität(en) will ich mir vor Augen führen, wenn ich den Ostertag begehe. Was für eine Aussicht, was für eine Hoffnung, was für ein Leben jetzt schon! Diese Realität lässt sich am Ende einfach nur besingen. Ich tue es mit dieser (neueren) Hymne:


And the morning that You rose All of Heaven held its breath 'Til that stone was moved for good For the Lamb had conquered death And the dead rose from their tombs And the angels stood in awe For the souls of all who'd come To the Father are restored

(Hillsong, King of Kings)

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