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Christlicher Nationalismus als Option? Von Trumpetierern und der prophetischen Kirche

  • matt studer
  • vor 15 Stunden
  • 19 Min. Lesezeit

Ich bin kein Politikexperte. Aber ich interessiere mich für die Welt und das Christsein in der Welt (wenn auch nicht von der Welt). Aktuell erleben wir vielerorts, dass politisch-gesellschaftliche Systeme im Umbruch sind. Manche Politologen sprechen zum Beispiel von einem Rechtsruck, also dem Phänomen, dass es in manchen Ländern (Deutschland und die USA kommen als Erste in den Sinn) eine steigende Zahl von Menschen gibt, die sich für rechts-konservative (also christliche?) Anliegen starkmachen. Zu diesen Anliegen gehören:

  • eine stärkere Betonung der eigenen nationalen Identität

  • eine härtere Migrationspolitik

  • eine Skepsis gegenüber supranationalen Institutionen wie die EU

  • Kritik an 'links-liberalen (woken) Eliten'

  • Betonung konservativer Werte wie Familie, Tradition, Respekt vor Autorität


Kurz zusammengefasst und sehr vereinfacht ausgedrückt, geht es dieser Bewegung darum, die eigene nationale Identität zu stärken und gegen Einflüsse 'von aussen' zu bewahren.


Gerade in Deutschland wird die Situation brenzlig, wenn man dieses neue Interesse für die eigene Nationalität mit dem Christlich-Evangelikalen vermengt (die USA lassen wir hier mal noch weg). Sendungen von ARD wie 'Radikale Christen in Deutschland' wollen beweisen, dass die evangelikalen Christen sowieso rechts-konservativ (rechts-radikal!) sind und mit den neuen Nationalisten gemeinsame Sache machen. Evangelikal und AfD werden hier fast deckungsgleich präsentiert. Ich kann das von der Schweiz her zu wenig beurteilen. Dazu nur folgende Beobachtung: Ja, ich sehe, dass es einzelne 'evangelikale' Personen, a.k.a. Influencer gibt, die sich politisch in diese Richtung engagieren (der ARD-Beitrag macht dies deutlich). Trotzdem würden eigentlich alle meine evangelikalen Freunde in Deutschland - und das sind Pastoren oder sonstwie ganz normale Christen, also keine politischen Influencer in dem Sinne - ihren christlichen Glauben nicht einfach als deckungsgleich mit irgendeinem politischen Parteiprogramm sehen. Es mag sein, dass die rechte Strömung für bestimmte Dinge wie den Schutz des ungeborenen Lebens oder eben die Wichtigkeit der Kernfamilie einsteht, Dinge, die meinen Freunden auch wichtig sind. Aber nur deswegen sind diese Evangelikalen nicht rechtsradikal oder pro-alles-von-rechts.


Diese kurze Einleitung wirft ganz entscheidende Fragen auf, die nach soliden Antworten verlangen:

  • Wie politisch darf der christliche Glaube sein? Darf man als Christ für Anliegen der 'Rechten' sein (Schutz des ungeborenen Lebens, traditionelle Werte wie die Familie usw.), ohne direkt das ganze Paket mitzukaufen und als 'von rechts' beschimpft zu werden? Und in diesem Zusammenhang: Warum ist Christsein etwas anderes als ein politisches Parteiprogramm? Eine weiterführende Frage wäre, inwiefern man mit bestimmten Parteien gemeinsame Sache machen kann oder soll, wenn man sich in anderen Punkten klar von ihnen distanziert?

  • Was ist der Unterschied zwischen einem von christlichen Werten geprägten Staat und einem christlichen Nationalstaat (christlicher Nationalismus)? Müssen wir hier überhaupt unterscheiden und wenn ja warum? Und reden wir in Bezug auf alle Fragen von oben von christlichem Nationalismus oder von etwas anderem, wie zum Beispiel von christlicher Einflussnahme auf politischer Ebene mit dem Ziel, dass bestimmte christliche Werte und Grundideen auf demokratischem Weg gesetzlich verankert werden dürfen?


Ich möchte mich zuerst der letzten Frage widmen und später von dorther weiterdenken. Dazu interessiert mich, wieso das Anliegen des christlichen Nationalismus überhaupt als Option auf dem Menü erscheint. Natürlich gilt das für allem für die USA, die dazu ihre ganz eigene Geschichte mitbringt. Soweit ich das beurteilen kann, sind es bei uns (zum Beispiel in Deutschland) nur kleine politische Minderheiten oder politisch-engagierte Influencer, die das Anliegen eines christlichen Nationalismus vertreten, auch wenn die Medien hier eine grosse Koalition von Evangelikalen und nationalistischer Politik sehen wollen. Schauen wir also zunächst über den grossen Teich, wie dort mit christlichem Nationalismus umgegangen wird.


Was ist christlicher Nationalismus denn überhaupt? Kevin DeYoung benennt das erste Problem hier: "No one agrees on what Christian Nationalism is." [0] Trotzdem müssen wir irgendwo beginnen. Um also eine allgemeine Vorstellung zu bekommen, wie christlicher Nationalismus gedacht wird, nehmen wir als Exemplar das Modell von Stephen Wolfe in seinem Buch The Case for Christian Nationalism, das in den USA sehr stark diskutiert wird und als systematische Präsentation eines christlichen Nationalismus gilt. [1]


Gemäss Stephen Wolfe umfasst christlicher Nationalismus ...

... die Gesamtheit nationaler Handlungen, bestehend aus zivilen Gesetzen und sozialen Gebräuchen, die von einer christlichen Nation ... durchgeführt werden, um sich sowohl irdisches als auch himmlisches Wohl in Christus zu verschaffen.

Das klingt doch schon mal recht nationalistisch-christlich. Ein christlicher Staat sollte das Christentum also bewusst promoten. Das betrifft grob zusammengefasst diese Bereiche:

  • Die Gesetzgebung: Die zivilen Gesetze und sozialen Normen leitet der christliche Nationalstaat direkt aus der Bibel ab. Das impliziert, dass die hohen staatlichen Ämter von Christen besetzt sein sollten, weil das christliche Programm sonst gar nicht durchgesetzt werden könnte. Mehr noch braucht diese Nation eine 'christlichen Prinz', der (mittels Testosteron) in der Lage ist, die christlichen Werte auch tatsächlich durchzusetzen. [2]

  • Seine Bräuche: Traditionelle, christlich-soziale Bräuche sollen Teil der staatlichen Identität (für alle!) sein und staatlich gefördert bis durchgesetzt werden (also zum Beispiel das Sabbatgebot: Am Sonntag gilt staatlich verordneter Ruhetag für alle).

  • Kirche und Staat rücken näher zusammen und sind nicht mehr so klar getrennt wie in einer säkular-liberalen Demokratie.

  • Das Bewahren einer spezifisch christlichen Identität und Kultur: Die Gesellschaft soll eine homogene Kultur bilden (nicht unbedingt ethnisch homogen), wobei erwartet wird, dass alle Bürger die national-kulturellen und christlichen Werte mehr oder weniger feiern. Die grosse Frage ist, was mit kulturellen und religiösen Minderheiten geschieht, die explizit anders denken und leben: werden sie integriert, ausgegrenzt oder sogar verfolgt? [3]


Der christliche Nationalismus dieser Couleur steht hier klar in einem Kontrast zu liberal-demokratischen Idealen, die auf universellen Rechten und funktionalen Institutionen beruhen, unabhängig von religiösen Fundamenten. Wolfe sieht eine liberale, säkulare Demokratie aber als unzureichend, um eine wirklich christliche Gesellschaft zu formen. Der Säkularismus ist vielmehr der Feind, der bekämpft werden will.


Soweit das Modell (die Umsetzung bleibt bei Wolfe noch ziemlich offen und man fragt sich, ob er sich nicht an längst vergangenen 'goldenen' Zeiten orientiert und ob so ein Staat heute überhaupt realisierbar wäre - Stichwort Säkularisierung). Ich würde meinen, dass den allermeisten von uns evangelikalen Christen in Deutschland (oder der Schweiz) nichts an einem solchen christlichen Nationalstaat gelegen ist. Selbst wenn wir uns dafür einsetzen, dass bestimmte christliche Werte in unserer säkularen Gesellschaft bewahrt und gesetzlich verankert bleiben oder werden, sind wir noch weit davon entfernt auf einen christlichen Monostaat dieser Art hinzuarbeiten - es sei denn wir wollten wirklich zurück in frühere Zeiten, als das Christentum noch das ganze Abendland dominierte. [4]


In den USA dagegen fällt die Vision eines christlichen Nationalstaates (ob es jetzt genau das Modell von Wolfe oder ein anderes ist) teilweise schon auf fruchtbaren Boden. Was die USA betrifft, lohnt sich die Analyse des baptistischen Theologen Hunter Baker, der in seinem Buch Postliberal Protestants über das Phänomen nachdenkt. Mit ihm zusammen wollen wir der Frage nachspüren, warum die Vision eines christlichen Nationalismus für manche als verlockend erscheint. Die USA kann als uns Beispiel dienen, die Situation zu bedenken. Denn es könnte schon sein, dass der Gedanke des christlichen Nationalismus auch bei uns in Zukunft noch mehr Befürworter bekommen könnte (und solche Beiträge wie derjenige von ARD rechtfertigen würde). [5]



Ein paar historische Gründe, warum die Idee eines christlichen Nationalismus in den USA auf gut vorbereiteten Boden fällt (und ev. auch bei uns in Zukunft mehr Gewicht bekommen könnte):

Im Jahr 1992 sprach der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama vom 'Ende der Geschichte'. Fukuyama implizierte damit, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus das ideologische 'Endstadium' der politischen Entwicklung erreicht sei. Die liberale Demokratie (Oberbegriff Liberalismus) trug den Sieg davon und würde sich als weltweites Leitmodell durchsetzen. Fukuyama glaubte, dass die guten Früchte des Liberalismus bald von allen Völkern geerntet werden würden. Dass dem nicht so war zeigt das nächste Kapitel der Geschichte nach dem eigentlichen Ende der Geschichte.


Der liberalistische Moment gestaltete sich für Christen zunächst eigentlich recht günstig, da Freiheit und Toleranz eine gute Grundlage boten, den christlichen Glauben in einer säkularen Gesellschaft als einen Lebensentwurf unter vielen frei ausüben zu können. Die Situation war, dass der säkulare Staat einen „neutralen“ öffentlichen Raum bereitstellte, in dem alle Bürger demokratisch mitwirken konnten, ohne dass ihr Glaube diesen Raum (zu stark) prägen sollte – Religion galt als Privatsache. Dabei wurde übersehen, dass es einen vollkommen weltanschaulich neutralen Raum gar nicht geben kann. Auch der atheistisch-säkulare Raum ist nicht voraussetzungslos oder „weltanschauungsfrei“, wie David T. Koyzis in seinem Buch Political Visions and Illusions überzeugend argumentiert. Politisch aktive Christen bekamen dies manchmal zu spüren.


Was mit der Zeit mehr und mehr klar wurde (und ich vereinfache massiv!) war, dass der sogenannt neutrale, öffentliche Raum von den lautesten Stimmen beherrscht wird. Es geht um Macht (ein postmodernes Thema): Wer den gesellschaftlichen Diskurs zu prägen versteht, wird seinen Einfluss auch durchsetzen. Aktive Christen bekamen diese Dynamik im Zuge der sexuellen Revolution stärker zu spüren und verloren Kampf um Kampf in ihrem Einstehen für eine christliche Sexualethik in öffentlichen und schliesslich auch in kirchlichen Plätzen (auch das ist sehr vereinfachend, weil hier ganz verschiedene und nicht nur ideologische Dynamiken mitspielten. Ich denke u. a. an die Erfindung der Babypille). Baker fasst es so zusammen:

Die Debatte über den Säkularismus drehte sich um die Frage, ob die Entfernung der Religion aus öffentlichen Angelegenheiten (und anderen gesellschaftlichen Bereichen) zu einer harmonischeren, gerechteren, rationaleren Gesellschaft führt. Als jedoch deutlich wurde, dass der Säkularismus nicht neutral sein kann, sondern vielmehr selbst eine parteiliche Position vertritt, nahm die Auseinandersetzung einen aggressiveren Charakter an. (S. 51. Vgl. dazu auch diesen Artikel von Aaron Renn, der dokumentiert, wie der Ton gegenüber Christen über die Zeit aggressiver geworden ist)

Leben wir also in einem postliberalen Zeitalter (der Weiterführung der Geschichte nach dem eigentlichen Ende der Geschichte)? Darüber wird gestritten. Wir müssen hier keine definitive Antwort parat haben, um uns einigen zu können, dass die öffentlich-politische Situation polarisierter geworden ist: Welcher Diskurs wird sich am Ende durchsetzen? Wer cancelt wen? Baker meint in Bezug auf die USA (und bestimmt trifft eine Teilmenge davon auch auf Europa zu?):

Sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite findet eine Neubewertung der Frage statt, ob die Werte und Ideen [des Liberalismus] tatsächlich gut sind. Auf der linken Seite wächst das Selbstbewusstsein, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit mit größerer Skepsis zu betrachten. Denn sie werden als Instrumente gesehen, um ein white privilege zu schützen oder religiösen Konservativen eine Art Lizenz zur Diskriminierung [andersdenkender Gruppen] zu verschaffen. Auf der rechten Seite werden Diskussionen über den Liberalismus zunehmend von Überlegungen zum Postliberalismus und von Konzepten wie „christlichem Nationalismus“ begleitet. (Seite 6)

In solchen Zeiten verwundert es nicht, dass einige (Evangelikale in den USA) plötzlich in Richtung christlicher Nationalismus denken. Man hofft auch mehr Sicherheit, Einfluss im öffentlichen Raum und einer Bewahrung der christlichen Werte in einer postchristlichen Gesellschaft. Ob dieser Trend auch bei uns aufkommen wird, muss sich erst noch zeigen.



Warum christlicher Nationalismus trotzdem keine Option für Christen sein sollte!

Ich möchte im folgenden räsonieren, wo die Problemzonen eines nationalistischen Verständnisses für Christen, die sich an der Bibel orientieren, liegen. Versteht meine Gedanken als lautes Nachdenken, als Sammeln und Verarbeiten von Punkten, die in meinem Kopf herumgeistern und nach links und rechts politisieren - und noch nicht als fertige Lösung für das Phänomen. (Vgl. dazu auch Gerrit Hohages Artikel zum Thema)


Wenn christlicher Nationalismus bedeutet, dass eine Nation vor allem aus Menschen besteht (bestehen soll!), die eine gemeinsame historische, kulturelle, sprachliche und religiöse Herkunft teilen und diese Identität durch einen Staat, der dieses Erbe bewahren soll, politisch fördern und verankern wollen, besteht stets eine latente Gefahr, andere Identitäten und Interessen zu marginalisieren. Religiöser Nationalismus fordert in der Regel nämlich, dass der Staat die religiösen Interessen einer bestimmten Gruppe schützt, während andere Gruppen und ihre Interessen an den Rand gedrängt oder sogar unterdrückt werden. Der Politikwissenschaftler Paul Marshall meint:

[Religiöser Nationalismus] behandelt die Angehörigen der dominanten Religion und/oder Sprache, Ethnie und Kultur als die eigentlichen Kernbürger und andere als Bürger zweiter Klasse.

Der Grat kann ein schmaler sein. Douglas Wilson argumentiert beispielsweise, dass der amerikanische (christliche) Staat die öffentliche (äusserliche) Ausübung einer ‚falschen‘ Religion unterdrücken soll, ohne jedoch zu versuchen, die inneren Überzeugungen der Menschen zu kontrollieren (sinngemäss). Der Staat soll hier also gerade nicht religiös neutral sein, sondern 'falsche' Religion im öffentlichen Raum verhindern, ohne dabei das Gewissen der einzelnen Menschen zu belasten. Doch wo liegt die Grenze zwischen 'Unterdrückung von öffentlichem Götzendienst' und dem 'Aufzwingen einer christlichen Moral', so dass die Religionsfreiheit untergraben wird? Ab wann mischt sich der Staat in Dinge ein, die eigentlich in den Bereich des persönlichen Gewissens gehören? Das sind keine leichten Fragen. Ich erinnere mich an die Diskussion bei uns in der Schweiz, als es um das Minarettverbot ging. Muslime dürfen ihren Glauben bei uns zwar ausleben, aber sie dürfen keine Minarette bauen. Es geht hier um eine baurechtliche Beschränkung in einem säkularen Staat, nicht um ein Religionsverbot und das Fördern christlicher Werte. Ein komplizierteres Beispiel ist, wenn Muslime in Europa eine Scharia-Kultur aufrichten und damit faktisch die Gesetzgebung ihres Gastgeberlandes aushebeln, weil sie gemäss der Scharia Recht sprechen. Soll der Staat dieses Schattensystem verhindern oder im Namen der Religionsfreiheit Freiheit walten lassen? [6]


Wir fragen weiter: Wer garantiert, dass religiöse Minderheiten ihren Glauben in einem christlichen Nationalstaat mehrheitlich frei 'ausleben' dürfen, ohne dass sie sanktioniert oder sogar verfolgt werden? Natürlich ist ein Staat, auch der säkulare Staat, nie völlig neutral (wie wir oben gesehen haben). Doch besteht meines Erachtens ein Unterschied, ob ein Staatswesen vorsieht, dass seine Bürger grundsätzlich die Möglichkeit besitzen, ihren Glauben privat frei auszuleben und diesen auch öffentlich zu verkünden (Rede- und Meinungsfreiheit), oder ob ein Staat aktiv in diesen Bereich eingreift und reguliert. Nilay Saiya meint in Bezug auf Wolfe's Idee des christlichen Nationalismus:

In Wolfe's Version des christl. Nationalismus wird dem Staat die Rolle zugewiesen, falsche Religion und Häresie zu unterdrücken und die richtige Religion (also eine bestimmte Form des Christentums) zu fördern.

Wolfe nennt dieses politische Arrangement „measured theocratic Caesarism“, also eine Art gemässigte Form einer theokratischen Staatsautorität. Auch wenn dieser Cäsarismus massvoll oder gemässigt sein soll, tönt das Ganze für mich nicht völlig anders als die Realität eines mittelalterlichen Gottesstaates, als die Häretiker vom Staat (und schlimmer noch manchmal von der Kirche) verfolgt wurden.


Dazu kommt ein weiteres Problem: Wenn der Staat 'falsche Religion' verbieten will, muss der Staat ja auch in der Lage sein zu bestimmen, was richtige Religion ist. Kevin DeYoung benennt diese Schieflage hier:

Von einer menschlichen Regierung zu verlangen, die wahre Religion zu fördern, bedeutet zu erwarten, dass die Regierung in der Lage ist, die Fragen dazu zu beantworten. Das Ergebnis wäre eher ‚Macht schafft Recht‘ als die aufgeklärte Herrschaft gottesfürchtiger Obrigkeiten, die jeden von uns zu seinem himmlischen Gut leiten.

DeYoung fährt fort:

Ein sinnvollerer Ansatz, den die Mehrheit der Christen und der meisten Menschen der westlichen Gesellschaft im Laufe der Zeit erkannt hat, besteht darin, die Regierung nicht damit zu betrauen, die Antworten auf die zentralen Fragen des Lebens zu ermitteln und anschließend auch noch durchzusetzen.

An der Stelle poppt die zentrale Frage auf, wie christliche Nationalisten zwischen Staat und Kirche unterscheiden wollen (tun sie es überhaupt?). Viele Vertreter des christlichen Nationalismus (wie Wolfe) sind einerseits Befürworter eines begrenzten Staatswesens (limited government). Gleichzeitig sprechen sie dem Staat die Autorität zu, den Menschen zu seinem höchsten und himmlischen Gut zu lenken. Ist das nicht ein Widerspruch? Für mich schon. DeYoung stellt fest:

Besteht der Zweck der Regierung darin, die von Gott gegebenen Rechte [einmal angenommen, dass Gott sie tatsächlich gegeben hat] zu schützen (wie zum Bsp. Leben, Freiheit und das Streben nach Glück)? Oder soll sich die Regierung auch noch um die vollständige Vervollkommnung des Menschen kümmern?

Kevin DeYoung verweist nicht umsonst auf die amerikanische Verfassung, die (bewusst) kurz gehalten ist:

Laut der Präambel [der Konstitution] haben sich die Menschen in den Vereinigten Staaten als politische Gemeinschaft mit diesen fünf Zielen zusammengeschlossen: Gerechtigkeit zu schaffen, innere Ruhe zu gewährleisten, für die gemeinsame Verteidigung zu sorgen, das allgemeine Wohlergehen zu fördern und die Segnungen der Freiheit zu sichern. Die verfassungsmäßige Ordnung Amerikas ist nicht auf das himmlische Wohl des Menschen ausgerichtet. Sie ist vielmehr darauf ausgelegt, die Menschen sicher, friedlich, wohlhabend und frei zu halten.

Übernimmt ein Staat, wenn er wie bei Wolfe für das himmlische Wohl verantwortlich ist, nicht die Rolle der Kirche? Wenn es der Staat (oder eine mit dem Staat eng verbundene Staatskirche) ist, der die Leute in den christlichen Glauben tauft, hat man am Ende nur noch kulturelle Christen, zu denen sogar Atheisten wie Richard Dawkins zählen (kulturell heisst hier nominale Christen, also Christen nur dem Namen nach). [7]


In einer liberalen Demokratie trennt man klar zwischen Kirche und Staat - und das hat seine Berechtigung. Der Staat schaut (minimalistischer) dafür, dass seine Bürger frei und geschützt sind, gerade was ihre Religionsausübung anbelangt. Diese Funktion entspricht dem Staat, der von Gott dazu gesetzt ist, für eine gerechte und sichere Gesellschaft zu sorgen (vgl. Römer 13). Hunter Baker hält dazu fest:

Die Besonderheit des Staates im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Institutionen besteht in seinem rechtlichen Monopol auf die Anwendung von Zwang. Dieser Zwang ist geeignet, um Bedrohungen wie Verbrechen oder Invasionen zu begrenzen und zu bestrafen, er eignet sich jedoch nicht für Angelegenheiten des Glaubens. (Postliberal Protestants, S. 64)

Eine Einschränkung der Staatsgewalt macht Sinn, wenn man bedenkt, wie oft Macht selbst von Menschen mit den besten Absichten korrumpiert wird. Kevin DeYoung meint: 'Die Anziehungskraft von etwas wie dem christlichen Nationalismus liegt darin, dass er eine kraftvolle Alternative zu Kapitulation und Niederlage bietet.' Trotzdem kann Testosteron und Muskelkraft hier nicht die Lösung sein, weil weltliche Macht, auch und gerade wenn sie religiös gekoppelt ist, kein Patentrezept ist.


Andererseits tut es auch der Kirche gut, wenn sie nicht zu nahe beim Staate grast, damit sie ihre prophetische Stimme nicht verliert und sich dem Staat assimiliert (eine ständige Gefahr, wie die Kirchengeschichte zeigt). Gerade in Amerika wäre es gut, wenn den Trumpetieren von kirchlicher Seite ein anderer (christlicherer) Marsch geblasen würde als die Nationalhymne. [8]



Plädoyer für einen prinzipienorientierten Pluralismus und eine prophetische Rolle für die Kirche

Es ist die Aufgabe der staatlichen Obrigkeit, Übeltäter einzuschränken und zu bestrafen, die Wahrheit zu wahren und die Kirche Gottes in all ihren Rechten zu schützen. Dabei soll der Staat jedoch nicht in das Gewissen der Menschen eingreifen, sondern lediglich äußere Ordnung und Gerechtigkeit gewährleisten. (Westminster Glaubensbekenntnis, 23.3) [9]

Ich möchte in der Kirche bitte nicht die Schweizer Nationalhymne singen. Umgekehrt fände ich es schräg, wenn beim Schweizer Nationalfeiertag 'In Christ Alone' gesungen würde. Genausowenig möchte ich, dass ein Muezzin sein Lied anstimmt und die ganze Schweiz zum Gebet aufruft. Ich bin ein Verfechter des freien Gewissens und ziehe hier eine Grenze: Der Staat soll bitte nicht 'in das Gewissen der Menschen eingreifen' und lieber dafür sorgen, dass Frieden herrscht, 'damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit,' wie Paulus es visioniert hat (vgl. 1. Tim. 2,2). Ich bin also für einen prinzipienbasierten Pluralismus (principled pluralism), was für mich bedeutet, dass konkurrierende Weltanschauungen das Recht haben, im öffentlichen Raum miteinander zu konkurrieren, auch wenn sie nicht alle gleichermaßen wahr sind.


Schon klar, dass ich nicht an einen Naked Public Square (Richard John Neuhaus - einen nackten/neutralen öffentlichen Raum) glaube. Der säkulare Staat ist nie neutral - und manchmal greift er 'in säkularem Gewand' in das Gewissen von Christen ein (wenn er bspw. die Praxis der Kirche im Umgang mit Trauung von Homosexuellen vorschreiben würde). Vielleicht kann uns der holländische Christ und Staatsmann Abraham Kuyper hier weiterhelfen. Er unterteilte die Gesellschaft in Sphären wie Familie, Kirche, Schule, Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft. Dabei durfte keine Sphäre die andere dominieren: Der Staat darf Kirche oder Familie nicht diktieren, genauso wenig wie die Kirche den Staat beherrschen darf. Die Aufgabe des Staates ist es, die Freiheit der Sphären zu schützen und dafür zu sorgen, dass keine Sphäre eine andere unterdrückt. DeYoung fasst Kuypers Anliegen zusammen:

Dies war keine gottlose Vision für einen säkularen Staat. Es war jedoch eine Vision für eine ‚freie Kirche in einem freien Staat‘, in der die Regierung nicht in die Sphären von Familie, Religion und Wirtschaft eingreift.

John Stevens, ein ehemaliger Dozent von mir, hat diese Denkweise in einem Facebook-Post wunderbar auf den Punkt gebracht:

Meiner Ansicht nach gibt es eine starke christliche Begründung für einen prinzipiengeleiteten Pluralismus, der es den Menschen ermöglicht, nach ihrem Gewissen und ihren Überzeugungen zu leben, soweit dies mit der öffentlichen Ordnung vereinbar ist und ohne anderen Menschen zu schaden. Das bedeutet, den Menschen die Freiheit zu geben zu sündigen und sich selbst zu schaden, während andere vor den Folgen ihres Sündigens geschützt werden. Die Kirche kann so frei das Evangelium verkünden und als heilige und unterscheidbare Gemeinschaft innerhalb der Nation leben.

Denn das ist es, was die Kirche ist (oder sein soll!): Eine heilige Nation (1. Petrus 2,10), die in der weltlichen Gesellschaft leuchtet, wie Sterne am Nachthimmel (Philipper 2,15). Die Kirche ist Gottes Volk, eine eigene Politik, denn sie tanzt nach der Pfeiffe ihres Herrn Jesus Christus, dessen Reich (noch) nicht von dieser Welt ist. Sie ist eine Stadt auf dem Berg, eine Stadt in der weltlichen Stadt (Augustinus). Sie hat eine prophetische Stimme in dieser Welt - und wenn sie diese Stimme verliert, weil sie sich der Welt assimiliert, sind Hopfen und Malz verloren. Wir sollten uns schon klar sein, dass der göttliche Fokus, wie ihn die Bibel offenbart, exklusiv auf die Kirche als Gottes ureigene Institution gerichtet wird. Jesus hat nirgends versprochen, irgendeine Institution zu bauen, außer der Kirche (Matthäus 16,18). DeYoung kritisiert Wolfe an diesem Punkt:

Den Eindruck, den man von The Case for Christian Nationalism gewinnt, ist, dass die Kirche nur eine unterstützende geistliche Rolle im Rahmen eines größeren Projekts spielt, bei dem der Staat die Menschen zu ihrem vollständigen Wohl ordnet. Wolfes Vision ist eher nationszentriert als kirchenzentriert.

Zum Schluss: Wie politisch darf der christliche Glaube also sein?

Christen waren doch eigentlich schon immer politisch. Martin Luther King setzte sich für soziale Gerechtigkeit ein. William Wilberforce kämpfte gegen den Sklavenhandel. Die erste Kirche lehnte den römischen Herrscherkult ab - eine durch und durch politische Haltung. Waren all diese Christen Nationalisten? King sicher nicht. Wilberforce's Anliegen war eine moralische Reform, nicht eine christliche Nation. Die erste Kirche hatte noch gar keine Möglichkeit, an einen christlichen Nationalstaat zu denken. Eher waren sie wie das unbesiegbare gallische Dorf, das nicht aufhört, dem Eindringling Widerstand zu leisten.


Damit komme ich auf meine Frage vom Anfang zurück: Darf man als Christ für Anliegen der 'Rechten' sein (Schutz des ungeborenen Lebens, traditionelle Werte wie die Familie usw.)? Unbedingt! Marshall unterscheidet in diesem Artikel schlüssig zwischen religion-infused politics und christlichem Nationalismus. Eine von Religion-durchdrungene Politik impliziert, dass Gläubige ihre christlichen Überzeugungen in politischen Debatten einbringen (vor allem wenn sie selbst Politiker sind!). Religiöse Argumente können und werden so politische Themen beeinflussen. So hat es schon immer funktioniert. Und so funktioniert es auch 'von links', wenn linke (christliche) Politiker ihre Anliegen einbringen, die genauso gut 'religiös' gefärbt (von christlichen Werten her geprägt) sein können. Der Unterschied zwischen religion-infused politics und einem christlichen Nationalismus bezieht sich auf die Rolle des Staates: Bleibt er pluralistisch, oder fördert/zwingt er eine Monokultur auf? Das ist die Gefahr eines christlichen Nationalstaats, gemäss Marshall: 'Die Gefahr besteht darin, dass Menschen glauben, der Staat solle selektiv ihre eigenen Interessen verteidigen und schützen und andere Religionen an den Rand drängen.' Er fasst zusammen:

Religion beeinflusst die Politik nahezu immer. Das geschieht meist nicht durch den Versuch, eine imaginierte „Theokratie“ zu errichten – ein Ziel, das in der Regel weniger von ihren Vertretern angestrebt als vielmehr von ihren Kritikern als Schlagwort benutzt wird –, sondern durch die ureigen religiöse Aufgabe, Herzen und Gedanken, Hoffnungen und Träume zu prägen, und nicht selten auch dadurch, indem ihre Mitglieder in die Gewohnheiten und Praktiken einer vernunftgeleiteten religiösen Urteilsbildung eingeführt werden. Unsere letzten Überzeugungen beeinflussen unsere Sicht auf Geschichte, Gerechtigkeit, Gesetz, Barmherzigkeit, Macht, die menschliche Natur und das Böse.

Es stimmt also nicht, was Thorsten Dietz über Evangelikale allgemein impliziert:

In evangelikalen Milieus gab es lange das Selbstbild der „Stillen im Lande“, denen es vor allem um persönliche Frömmigkeit und Mission ging. In den letzten Jahren beobachten wir aber auch hier, dass manche Akteure nicht mehr nur für sich bestimmte Lebensformen als „göttliche Ordnung“ reklamieren, sondern diese Ordnung für die gesamte Gesellschaft verbindlich machen wollen – etwa bei Abtreibung, Familienbildern oder im Blick auf Muslime. Hier entstehen gefährliche Berührungspunkte zu rechtspopulistischen Bewegungen.

Das ist eine grobe Unterstellung. Natürlich muss man aufpassen und schlau sein wie die Schlangen, wenn man Berührungspunkte mit rechtspopulistischen Bewegungen hat, die man vielleicht auch einfach darum hat, weil nur noch diese Bewegungen gewisse Werte wie 'den Schutz des ungeborenen Lebens' abbilden (was eigentlich ja von einer krassen Einseitigkeit in der politischen Landschaft zeugt). Vielleicht ist Russell Moore's Kritik für Evangelikale in den USA zutreffend in der Balance, die er anspricht? Hunter Baker gibt zu bedenken:

Ich verstehe Moore so, dass wir [amerikanischen Evangelikalen] aufhören sollten, zu versuchen, eine politische Koalition zu schmieden, die eine stark pluralistische amerikanische Gesellschaft durch Gesetze erfolgreich einen kann. Stattdessen sollten wir unsere Bemühungen darauf konzentrieren, unser eigenes Land als Missionsfeld zu begreifen und unsere Arbeit in Jüngerschaft und Heiligung zu stärken. Man kann natürlich immer einwenden, dass die tatsächliche Situation eher ein Sowohl-als-auch ist. Doch Moore (und andere) legen nahe, dass das Feuerwerk, der Machtkämpfe und der Wettkampfcharakter der Politik die Aufmerksamkeit von der primären geistlichen Mission ablenken und sie vielleicht sogar kompromittieren.

Dazu gäbe es noch zu sagen, dass Christsein eigentlich nie mit einem Parteiprogramm einer politischen Partei identisch war (falls doch, war das immer ein schlechtes Omen). Der verstorbene New Yorker Pastor Timothy Keller machte diesen Punkt wiederholt ('Als Christen seid ihr weder reine Demokraten noch puristische Republikaner, sondern eine Kategorei sui generis): vgl. hier, da und dort. Diesen dritten Weg sollten wir Christen auch heute bewusst beschreiten. Es ist kein einfacher Weg, wird man doch rechts und links missverstanden. Aber es ist ein Weg, der sich allemal lohnt, weil es hier um den Weg von Jesus Christus geht, die tiefere Mythologie, wie Glen Scrivener es nennt. Dieser dritte Weg ist eine alternative Metageschichte zu allen politischen Programmen – und greift tiefer als „links“ und „rechts“. Glen Scrivener schreibt:

Es ist nicht überraschend, wenn politische Theologen vom „Third-Way“-Denken genervt sind, denn dieses nimmt eher die Haltung eines Missionars ein als die eines Politikwissenschaftlers. Dieses Denken war nie als politische Theorie gedacht (auch wenn es sich gelegentlich Begriffe wie „links“ und „rechts“ bediente). Letztlich geht es um die Mythologie.


[0] Vlg. dazu den Artikel von Nilay Sayia, The Varieties of American Christian Nationalism.


[1] Eine weitere Gallionsfigur des neuen christlichen Nationalismus ist Doug Wilson, ein Theologe und Pastor aus Moscow, Idaho.


[2] Wolfe ist kein Theonomist, also jemand, der das gesamte Alttestamentliche Gesetz im modernen Amerika etablieren möchte. Auch spricht er nicht von einer klassischen Theokratie. Trotzdem verlangt er, dass die christliche Nation so geführt und gestaltet werden muss, 'to make the earthly city an analog of the heavenly city' (S. 209). Das sind für mich Nuancen und tönt doch schon recht theokratisch. Wir können hier nicht weiter auf diese Nuancen eingehen.


[3] Wobei bei Wolfe manchmal schon auch eine ethnizistische Note mitschwingt. Siehe dazu die substanzielle Kritik von Neil Shenvi.


[4] Das gute alte Christentum wird ja heute meistens eher als konstantinische Verirrung gesehen: Die christliche Kirche war ganz ok unterwegs, bis Konstantin kam und die christliche Religion gesellschaftlich puschte (ein, wenn nicht der berühmteste Vertreter dieser These ist der mennonitische Theologe John Howard Yoder). Man kann das aber auch gemässigter sehen. Die Frage stellt sich, was heute wäre, wenn Konstantin und die christlichen Kaiser nach ihm nicht gewesen wären. Natürlich brachte die Heirat von Staat und Religion (häufig dann auch die Vermählung von Staat und Kirche) das Christentum bisweilen in eine mächtige Schieflage (im wahrsten Sinne des Wortes: Macht vermischt mit Religion gedeiht nicht gut). Gleichzeitig hatte die konstantinische Wende erheblichen Einfluss, in dem sie westliche Gesellschaft nach und nach christlich prägte, was sich in den verschiedensten Bereichen bis heute niederschlug (Gesellschaftsstrukturen, Werte, Gesetzgebung usw). Darum will ich die konstantinische Wende und die Christianisierung Europas nicht missen. Eine differenzierte und historische Sicht dazu findet sich bei Peter Leithart, Defending Constantine: The Twighlight of an Empire and the Dawn of Christendom.


[5] Die USA ist speziell wegen ihrer Geschichte: Denn die Amerikaner sehen sich häufig von Beginn an als eine 'christliche und von Gott gesegnete Nation', ein Anspruch, der oft über reinen Patriotismus hinausgeht und politische Macht mit einer bestimmten religiösen Identität verknüpft. Siehe dazu Paul Miller, The Religion of American Greatness: What's Wrong With Christian Nationalism


[6] Auch hier liefert Konstantin ein interessantes und differenziertes Beispiel. Einerseits prägte er den öffentlichen Raum nach und nach christlich: Er baute Kirchen anstatt heidnische Tempel. Er verbot das öffentliche Opfern. Gleichzeitig waren seine Gesetze häufig fast mehr 'Einladungen' als strikte Verbote (d. h., er schrieb zwar vor, aber setzte nicht durch, sondern überliess es den einzelnen Gruppen, wie sie sich dazu verhielten - und manchmal griff er auch härter durch, schliesslich war er ja römischer Kaiser). Vgl. dazu wieder Leithart, Defending Constantine.


[7] Man könnte auch argumentieren, dass ein Kulturchristentum auch etwas Gutes hat. DeYoung: 'Wolfe hat recht mit der Feststellung, dass das kulturelle Christentum keine Sünder retten kann (die Botschaft des Evangeliums ist der Kirche anvertraut, nicht der staatlichen Ordnung); dennoch kann eine christliche Kultur in Richtung auf das Evangelium sowohl vorbereitend als auch überzeugend wirken.'


[8] Ich kenne mich zu wenig aus. Doch scheint es mir manchmal so, als ob die Kirche/die Evangelikalen in Amerika 'Kompromisse' eingehen, um bei Trump mitreden zu können. So zumindest der Vorwurf von Russell Moore: Siehe diesen Artikel.


[9] Interessant ist, dass die Reformatoren und später auch die Verfasser des Westminster Bekenntnisses (das später genau an diesem Punkt durch amerikanische Presbyterianer überarbeitet wurde) diesen Schluss noch nicht zogen. Vgl. dazu die Überarbeitung der Confessio Belgica durch Kuyper und Bavinck, sowie die 'Sechs Punkte', in denen Kuyper seine Sicht klar zum Ausdruck brachte.





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