• matt studer

- - - W A S S E R W E L T E N - - -



Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich. (Mark Twain)


Er soll auf dem Weg vom Bach trinken; darum soll er den Kopf erheben. (Psalm 110: 7)



Wasser ist zwar geschmacklos wenn man es (mässig) geniesst, aber unglaublich wichtig für uns und unsere Welt. Der menschliche Organismus besteht zu etwa 70% aus Wasser, etwa genau so wie die Erdoberfläche. Die ganze Landmasse dieses Planeten ist mit Wasserläufen durchzogen, wie Arterien in einem Körper. Ohne Wasser gäbe es auch kein Wetter, keine Wolken, kein Regen. Ohne Wasser gäbe es eigentlich nichts - keine Pflanze, keinen Wald, nada. Wir waschen uns mit Wasser, putzen mit Wasser, kochen alle 'nur' mit Wasser und kühlen uns darin in einem kalten Bergsee oder im Meer. Herrlich! Als Gott am Anfang den Himmel und die Erde schuf, kreierte er auch das Wasser: 'Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.' (1 Mose 1,1-2) All das war so geplant. Denn es scheint, dass die Erde der einzige Planet im ganzen Sonnensystem mit Flüssigwasser ist, wodurch unser Leben hier überhaupt erst möglich wird.



Wasser gibt nicht nur Leben - es kann auch Leben nehmen. 'Mit einer großen Flut werde ich die ganze Erde überschwemmen, so dass Mensch und Tier darin umkommen.' (1 Mose 16,17) So krass es ist (und ich werde hier nicht auf die Dimension des göttlichen Gerichts eingehen), Wasser hat eine chaotische Urkraft, die mitreissen, entwurzeln und zerstören kann. Wasser in der Form eines Gletschers hat eine unaufhaltsame Power, alles im Weg Stehende vorwärts zu schieben und platt zu walzen. Oder was bedeutet es für Menschen am Wasser, wenn der Meeresspiegel ansteigt und ihr Lebensraum bedroht ist? In diesem Fall ist Wasser zwar eine ruhige, aber dennoch unaufhaltsame Vehemenz.


Kein Wunder, dass der Psalmist die Kraft der Wasserfluten als Bild auf seine stürmische Lebenssituation überträgt: 'Dein Grimm geht über mich, deine Schrecken vernichten mich. Sie umgeben mich täglich wie Fluten und umringen mich allzumal.' (Ps 88,17-18) Es kann einem im Leben schon manchmal so vorkommen, als würde man überflutet und weggespült.


Wasser raubt auch dann indirekt Leben, wenn es mangelt. 'Die Tiere in der Steppe lechzen nach Wasser, sie schreien zu dir um Hilfe! Die Bäche sind versiegt und die Weideplätze verbrannt.' (Joel 1,20) In der Wüste gibt es wenig Leben. Dürren führen zu Hungersnöten. Wassermangel schadet unserem ganzen Körpersystem, der schon nach drei Tagen ohne Wasser verdursten würde. Auch diese natürlichen Erfahrungen will der Psalmist geistlich lesen: 'Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.' (Ps 42,2-3) So wie der Mensch dringend Wasser zum Leben benötigt, so braucht er auch Gott.



Gott ist Schöpfer und Herr des Wassers. Jesus gebot dem aufgebrachten See: Sei still! Und der See gehorchte ihm (Mk 4,39). Sein Einfluss erstreckt sich über die Wasserwelt auf die gesamte beseelte und unbeseelte Schöpfung. 'Das Tosen der Meere bringst du zur Ruhe, das Brausen ihrer Wogen genauso wie den Aufruhr der Völker.' (Ps 65,8) Wir lesen, dass es auf der neuen Erde, die Gott am Ende schaffen wird, kein Meer mehr geben wird (Offb 21,1). Ich glaube nicht, dass wir 'im Himmel' keine Strandferien mehr machen werden und nur noch in kalten Hallenbädern mit unfreundlichen Bademeistern herumhängen dürfen. Eine neue Erde ohne Meer und Strand wäre für mich wie ein Winter ohne Schnee oder eine heisse Schoggi ohne Mélange. Ich verstehe diese Stelle am Ende der Bibel ähnlich wie der Psalmist, im übertragenen Sinne: das Meer steht hier für Chaos, Aufruhr und Rebellion. Und Gott wird am Ende all diese chaotischen und zerstörerischen Kräfte endgültig von diesem Planeten verbannen, damit seine Kinder mit geglätteten Wogen in tiefem Frieden leben können!


Gott ist der Dirigent des täglich stattfindenden, grossartigen terrestrischen Wasserspiels: 'Auf Gottes Befehl hin ergießen sich Quellen in die Flusstäler, zwischen den Bergen schlängeln sich ihre Wasserläufe. Sie tränken die Tiere des freien Feldes, Wildesel löschen dort ihren Durst.' (Ps 104,10) ER ist der eigentliche Spender des Wassers: 'Die Elenden und Armen suchen Wasser und es ist nichts da, ihre Zunge verdorrt vor Durst. Aber ich, der HERR, will sie erhören; ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen. Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen inmitten der Täler und will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen.' (Jes 41,17-18)


Es ist so grandios, wie die Bibel diese physisch lebendige Dynamik des Wasserlaufs geistlich expandiert. 'Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.' (Joh 4,14) Wonach es jeden Menschen zutiefst dürstet, ist nach dem wahren geistlichen Wasser, das nur Gott selbst uns geben kann. Nichts anderes löscht unseren Durst nach Leben. Wir leben solange in der Wüste, geistlich gesprochen, bis wir diese Oase gefunden und von dem Wasser getrunken haben, das Jesus uns einschenkt. Dann aber werden wir zu den Bäumen (die Bildsprache hört nicht auf), die am Wasserbach Gottes gepflanzt sind (Psalm 1). Und wir werden selbst zu Quellen, aus denen Ströme lebendigen Wassers fliessen (Joh 7,38). Damit gemeint sind all die Menschen, die den Heiligen Geist von Gott empfangen werden (Joh 7,39). 'Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, dass sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern, wie die Weiden an den Wasserbächen.' (Jes 44,3-4) Es ist der Geist Gottes, der sie mit Christus vereint, welcher das Wasser aus dem Brunnen des ewigen Lebens für sie schöpft. 'Wer Durst hat, dem werde ich umsonst von dem Wasser zu trinken geben, das aus der Quelle des Lebens fließt.' (Offb 21,6)



Wie die Frau am Jakobsbrunnen sind wir täglich daran, selbst Wasser zu schöpfen aus Quellen, die unseren Durst nicht wirklich löschen können (Joh 4,13). Wenn wir zu Jesus kommen, gibt er uns das Wasser, das unseren Durst für immer stillt (4,14). Wie kann er uns dieses Wasser des Lebens geben? Er kann es, weil er sein Lebenswasser zuerst für uns ausgegossen hat.

Einer von den Soldaten allerdings stach mit der Lanze in seine Seite, worauf sofort Blut und Wasser aus der Wunde traten. (Joh 19,34)

Jesus vergoss sein Blut und sein Wasser am Kreuz für uns. Durch sein Blut werden wir gereinigt, so dass wir in die Gemeinschaft mit dem heiligen Gott treten können (Heb 9,15). Im Alten Testament war für die kultische Reinigung neben Blut häufig Wasser von Nöten (z. B. 4 Mose 8,7 oder 31,23). Zum gottesdienstlichen Ritual wurde das Bronzebecken installiert, indem die Priester sich waschen mussten, bevor sie vor den Altar traten: 'Wenn sie in die Stiftshütte gehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, dann werden sie nicht sterben.' (2 Mose 30,18-20). Durch seinen Propheten Hesekiel sprach Gott von einer Zeit, in der ER selbst sein Volk durch reines Wasser reinigen wird, 'dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.' (Hes 36,25) Nicht länger sind äussere Reinigungsrituale notwendig, denn 'durch das Bad der Wiedergeburt hat er den Schmutz der Sünde von uns abgewaschen und hat uns zu neuen Menschen gemacht. Das ist durch die erneuernde Kraft des Heiligen Geistes geschehen.' (Titus 3,5) Durch seinen Geist reinigt uns Gott nicht äusserlich, sondern innerlich, so dass wir zu 'neuen Menschen' werden, die ein reines Herz und Gewissen haben (Ps 51,12; Heb 9,15).


Wie passend es in diesem Zusammenhang ist, dass für eines der wenigen 'Rituale' im Neuen Testament, nämlich die Taufe, wieder Wasser gebraucht wird (Mt 28,19).

»Hier ist Wasser!«, rief der Äthiopier. »Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde? (Apg 8,36)

Wir sind nun also mit allen Wassern gewaschen - durch das Werk Jesu! Er, der zum Meer sagte, 'sei still!' und es gehorchte ihm, ging in den Fluten des Gericht Gottes unter, damit wir durch seinen Tod aus den Fluten des Gerichts gerettet würden (1 Petr 3,21) Und er, der am Kreuz seufzte, 'mich dürstet!' und an Stelle von Wasser Essig zu trinken bekam (Joh 19,28), war durstig um unseretwillen, damit unser Durst ewig gelöscht wird. Er ist für uns ins kalte Wasser gesprungen, damit wir dann einmal im angenehm warmen Wasser des himmlischen Strom des Lebens baden können - ohne unfreundlichen Bademeister, versteht sich (Offenbarung 22,1).





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